377 - Sturm im Kopf
Shownotes
Sobald eine andere Frau am Horizont auftaucht, stellt sich Yvonne die übelsten Schreckensszenarien vor. Dieser fast rauschhafte Zustand voller Selbstbezichtigung und Minderwertigkeitsgefühlen ist ein Strudel, aus dem sie nur schwer ausbrechen kann. Aber woher kommen diese unglaublichen Ängste eigentlich?
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00:00:00: Herzlich willkommen bei Paula Liebenlern.
00:00:01: Mein heutiger Gast ist Yvonne.
00:00:03: Und es geht um eine Kindheit, die dafür sorgt, dass wir im Erwachsenenalter manchmal immer noch ... durchdrehen müssen.
00:00:11: Viel Spaß beim hören, Drama Queen.
00:00:19: Okay,
00:00:23: herzlich willkommen, liebe Yvonne.
00:00:25: Ich freu mich sehr, dass wir uns wiedersehen.
00:00:27: Ich freu mich auch, dass es endlich geklappt hat.
00:00:29: Das Universum hat endlich ja gesagt.
00:00:31: Du warst vor anderthalb Jahren auf dem Retreat dabei.
00:00:34: Genau.
00:00:35: Am ersten.
00:00:36: Genau.
00:00:37: Und bist du noch mit dem ... Hattest du damals eine Beziehung?
00:00:42: Nein, noch mal Single.
00:00:43: Okay,
00:00:43: und dann hast du jemanden kennengelernt.
00:00:44: Genau.
00:00:46: Wann war das?
00:00:48: Am threizehnten Dezember, vierundzwanzig.
00:00:50: Das war Freitag der threizehnte sogar.
00:00:52: Gut zu sehen, dass du es noch so genau wartest.
00:00:55: Obwohl, ja, das Datum kann man sich ja mal merken.
00:00:59: Wer weiß, wofür es nötig
00:01:00: ist.
00:01:00: Es war zwar über eine App, aber keine Dating-App.
00:01:03: Sondern
00:01:04: eine Freizeit-App, Spontex.
00:01:06: Spontex ist das so, was wir gemeinsam erleben, ne?
00:01:08: Genau.
00:01:09: Ich hab da so rumgescrollt, guckt, wer so online ist, wollte gerade wieder rausgehen.
00:01:13: Und dann ploppt er auf und dann ... Ich dachte, Moment, den muss ich mir anschauen.
00:01:19: Und dachte ich so, irgendwie passt hier alles perfekt.
00:01:21: Dann hab ich einfach nur in meinen Like gegeben, weil er ein schöner Mann war, oder ist.
00:01:27: Und dann hat er zurückgelegt und mich angeschrieben.
00:01:30: Cool.
00:01:30: Und was hat er für eine Freizeitaktivität angeboten?
00:01:34: Oder einfach nur kennenlernen?
00:01:37: Nee, also es war einfach diese Musikrichtung, Linkenpark zum Beispiel, er mag die Ostsee, ich mag die Ostsee, er raucht nicht, er hat keine Kinder, ich auch nicht.
00:01:48: Das passte einfach irgendwie und dachte ich so, ich hab ja auch tatsächlich... Nicht damit gerechnet, dass da was zurückkommt.
00:01:54: Das war einfach nur ohne Erwartung.
00:01:56: Schöner Mann darf auch mal ein Like kriegen.
00:01:58: Ja,
00:01:58: absolut, absolut.
00:02:00: Also für alle, die diese Apps nicht kennen, ich liebe die ja.
00:02:05: Also bei Spontex, da muss ich mal an den Putzschwamm denken.
00:02:09: Da kenne ich mich nicht aus, gemeinsam erleben.
00:02:11: Zum Beispiel, da kann man gemeinsame Aktivitäten, wie der Name schon sagt, erleben.
00:02:16: Alleine die Brettspielgruppe hat deutschlandweit irgendwie achthundert neunzig tausend Mitglieder, wirklich.
00:02:22: Also, da sind viele, viele Leute, wenn ihr zu Hause sitzt und denkt, nie spielt einer mit mir oder nie geht jemand mit mir essen, dort findet ihr für jeden ... jeden Quatsch jemanden.
00:02:34: Das stimmt ja, tatsächlich.
00:02:35: Wenn du Flieger ... Papierflieger basteln willst, oder mexikanisch essen gehen willst, oder Tennisstunden nehmen oder einen Tanzpartner suchst oder irgendwas.
00:02:46: Das gibt es da.
00:02:47: Alles.
00:02:48: Und es gibt dort auch die Liebe.
00:02:50: Ja, obwohl wir beide auch das Dating nicht angegeben haben.
00:02:53: Also, darum war das so auf Blondonet.
00:02:57: Genau.
00:02:58: Okay, und dann habt ihr euch getroffen.
00:03:00: Nämlich am,
00:03:01: ja, am sechzehnten dann.
00:03:05: Eigentlich waren wir beim Schreiben schon klar.
00:03:07: Das ist es irgendwie, aber ich wollte mich nicht so sehr hineinsteigern, weil ... der Kopf, ne?
00:03:12: Aber irgendwie war es klar, dass wir uns wiedersehen wollen.
00:03:15: Es ist am ersten Date auch nichts passiert.
00:03:17: Am zweiten Date dann erst.
00:03:19: Ich hab seine Hand gegriffen irgendwann, und er hat dann irgendwann gefragt, ob er mich küssen darf.
00:03:24: Sehr schön.
00:03:25: Sehr gut.
00:03:26: Ja, und im Prinzip waren wir, am sechsten und zwanzigsten haben wir uns gesagt, dass wir uns lieben, weil wir es beide gefühlt haben, und dann waren wir zusammen.
00:03:35: Okay, wow, das ging sehr, sehr schnell.
00:03:36: Ja.
00:03:38: Und seitdem seid ihr zusammen?
00:03:39: Genau, und er wohnt auch schon bei mir.
00:03:41: Ach, okay.
00:03:42: Und das funktioniert gut.
00:03:43: Das funktioniert ganz gut, ja.
00:03:46: Weil er, oder wir beide uns auch den Raum geben, ne?
00:03:49: Also, wenn er sagt, ihr will Fahrrad fahren, sag ich, dann mach.
00:03:52: Wir können auch mal getrennt spazieren gehen, jeder für sich.
00:03:55: Oder er fragt, wird's mitkommen?
00:03:56: Ich ne, ich hab keinen Bock, denn geht da alleine.
00:03:58: Also, das funktioniert.
00:03:59: Und
00:03:59: hat eine Arbeit?
00:04:00: Hat eine Arbeit, sehr gut.
00:04:02: Und ist da ... trägt auch was bei.
00:04:05: Ja, auf jeden Fall.
00:04:08: Das stützt mich sehr gerade.
00:04:09: Super.
00:04:10: Ja.
00:04:10: Toll.
00:04:11: Also, das ist doch mal eine schöne Geschichte.
00:04:13: Ja.
00:04:13: Das erleben wir hier im Podcast ja auch nicht so oft.
00:04:16: Das ist einfach geläuft wie geschnitten Brot so rum.
00:04:21: Aber, das kleine Aber, du hast mir geschrieben, du bist eine richtige Drama Queen.
00:04:28: Ja, ich verfalle ... also, nicht gerne, sondern ich verfalle einfach mal in diese Drama-Queensache rein.
00:04:35: Also, ich steiger mich schnell in Sachen rein.
00:04:37: Und dann ... geht's immer weiter und immer weiter.
00:04:40: Und ich komme aus dieser Situation einfach nicht raus.
00:04:43: Also, gedank dich, das ist wie ein Sturm in meinen Kopf.
00:04:46: Also, mein Ego, mein Verstand und mein Herz kämpfen miteinander und wissen nicht, wie.
00:04:50: Und dann ... Entweder kann ich gar nicht reden oder es wird ... bisschen böse, aber ich versuche dann erst mal gar nicht zu reden und zu sagen, ich kann jetzt nicht drehen, bevor es halt eskaliert halt.
00:05:01: Und dann brauch ich erst mal ein paar Momente für mich, um wieder runterzukommen.
00:05:06: Und dann zu ergründen, was regt mich da eigentlich jetzt genau auf?
00:05:09: Ein Sturm im Kopf.
00:05:11: Genau.
00:05:12: Ja.
00:05:13: Und kannst du mal ein Beispiel nennen, wo sich das so in dir zusammengebraut hat?
00:05:17: Ja, tatsächlich war letzte Woche erst so ein Fall.
00:05:23: Mein Freund ist tatsächlich noch mit seiner Ex-Freundin befreundet.
00:05:28: Ich bin von ihr als Person nicht begeistert.
00:05:32: Aber ich musste sehr akzeptieren.
00:05:36: Und jedenfalls hat er für sie halt so ein Holzrad gebaut, das hat was pädagogisches zu tun, was man zusammen puzzeln kann.
00:05:45: Und er hat sich letzte Woche mit ihren Freund getroffen.
00:05:49: Also die verstehen sich auch gut, die waren Wohlen.
00:05:51: Und dann hat sie als Überraschung gemacht, dass sie einen Frauennetzwerkkreis zusammengeholt hat.
00:05:57: Und die haben dieses Rad zusammengebaut.
00:05:59: Ja.
00:06:00: Und dann war er natürlich stolz wie Bolle, um seinen Werk ja in Verändungen zu sehen.
00:06:05: Verständlich.
00:06:06: Aber, er zumpt es aber.
00:06:07: Er kommt nach Hause, ich hatte eh schon so dieses dämliche Gefühl, Sie ist ja da, ich mag nicht, wenn sie da ist.
00:06:14: Und dann kommt ja gleich mit dem Satz, sie hat.
00:06:19: Und da war man mir gleich, da hab ich gleich rot gesehen.
00:06:21: Also statt er einfach mal von vorne beginnt sozusagen, hat er irgendwie ... Er hat mich gleich geträgert, oder ich hab mich geträgert gefühlt.
00:06:32: Er hat erzählt, wie gut sie das Rad fand und wie toll das geklappt hat, wie sie geschwärmt hat davon.
00:06:37: Naja, dass sie das jetzt organisiert hat, um ihn zu teilen.
00:06:42: Sie hat sich mal wie an den Vordergrund gestellt.
00:06:45: Okay.
00:06:46: Ja, gut.
00:06:47: Und das war bei mir so, wo ich dachte, das geht gar nix.
00:06:51: Da hab ich recht gemerkt, ich mach dicht.
00:06:53: Der Sturm, der wütet.
00:06:55: Ich hab mir gesagt, ich explodier gleich, wenn ich was sage.
00:06:59: Ja.
00:07:00: Und er wusste auch gar nicht, was er dann machen soll.
00:07:03: Er hat mich erst mal in Ruhe gelassen.
00:07:05: Er hat versucht, noch belanglos Zeug mit mitzureden, weil dieses Schwein schwer aushalten kann.
00:07:12: Irgendwann konnte ich es ihm sagen.
00:07:14: Und dann ist es mir über Nacht tatsächlich.
00:07:16: Und ich kann irgendwie nachts, wenn ich mal wach liege, ganz gut mal reflektieren.
00:07:21: Ist mir über Nacht klar geworden, was da eigentlich los ist.
00:07:23: Dieses Konkurrenz.
00:07:25: Denken mit den Exen meines Partners, beziehungsweise meiner Ex-Partner, hab ich schon immer gehabt.
00:07:32: Ich hab immer das Gefühl, wenn die jetzt von denen erzählt haben, okay, ich muss besser sein, ich muss hübscher sein, ich muss liemswürdiger sein, ich muss mehr tun, damit die bei mir bleiben, ich muss einfach mehr sein.
00:07:46: Damit's halt nicht scheitert, wie es bei denen gescheitert ist.
00:07:49: Ja, okay.
00:07:51: Hast du ihm das so erklärt?
00:07:52: Ja.
00:07:53: Und was hat er dazu gesagt?
00:07:55: Er kann es verstehen, also er hat mich verstanden.
00:07:58: Ich hab ihn auch verstanden.
00:07:59: auch, wo ich gesagt hab, dadurch, dass du von hinten angefangen hast zu erzählen, kam ich gar nicht mehr dazu, mich überhaupt darüber zu freuen, dass du dieses Rad überhaupt in Veränderung sehen konntest.
00:08:12: Ich hab nur sie gesehen und da war bei mir gleich aus und vorbei.
00:08:17: Das Gefühl des Mangels, des Nicht-Guts-Seins und so weiter.
00:08:21: Genau, genau.
00:08:23: Und auch das Gefühl, ausgeschlossen zu sein, weil ich nicht mit eingeladen war, um das mitzuerleben.
00:08:30: Mhm.
00:08:32: Warum warst du nicht mit eingeladen?
00:08:34: Weil das eigentlich ja nicht so geplant war.
00:08:37: Er wollte ja mit dem Freundheit Bodern gehen, dann wollten sie noch an den Fahrrad werkeln und ... Das war's eigentlich schon gewesen.
00:08:45: Und dann hat er sich spontan
00:08:47: ergeben.
00:08:47: Nee, sie hat das geplant.
00:08:54: Mhm.
00:08:54: Um dich zu pisacken.
00:08:55: Weiß
00:08:56: ich nicht.
00:08:57: Oder ihm, um ihn zu überraschen, das könnt ihr auch.
00:08:59: Ja, ich denke, um ihn zu überraschen, aber für mich kam rüber, ich werde hier komplett ausgeschlossen.
00:09:07: Mhm.
00:09:08: Na ja, gut, vielleicht merkt sie auch, dass du ein Thema mit ihr hast und fühlt sich da nicht so wohl, wenn du darum ... ist ja auch nachvollziehbar.
00:09:17: Ja, aber es gab auch noch eine andere Situation.
00:09:20: Die sind auch zusammen noch in der Paddelgruppe.
00:09:22: Und diese Paddelgruppe hatte mich mit auch eingeladen zum Grillen.
00:09:25: Ich war dabei.
00:09:27: Ich weiß nicht, wie es bei der Begrüßung war, weil andere auch noch da waren zur Begrüßung.
00:09:32: Aber beim Abschied ... war es genau in meinem Blickfeld, hat sie ihn auf die Wange küst.
00:09:39: Und das fand ich halt irgendwie unangemessen.
00:09:43: Grenzüberschreitend.
00:09:44: Und ... Er meinte hinterher, weil ich das auch gesagt habe, er hat es ja nicht erwidert.
00:09:50: Ich so, ja, aber du hast es zugelassen und das fand ich nicht cool.
00:09:54: Und das hat aber auch mit ihr geklärt.
00:09:55: Und da hab ich dann noch mal gefragt, hast du es jetzt gesagt, dass ich es nicht will oder dass du es nicht willst, ist ja auch wieder ein Unterschied.
00:10:02: Aber er hat gesagt, dass er es nicht will.
00:10:04: Okay.
00:10:05: Ja,
00:10:05: hoffen wir mal, dass das stimmt.
00:10:07: Aber okay, wir haben ja also eine Konkurrenzsituation,
00:10:10: die ausgeliebt
00:10:11: wird, ja.
00:10:12: Was du natürlich jetzt nicht machen darf, ist ihm die Freundschaft mit der Ex-Freundin verbieten.
00:10:16: Nee, kann ich auch nicht.
00:10:20: Wäre er, ähm, wäre sie die richtige, wären die kein Ex-Paar, ne?
00:10:27: In der Tourie weiß ich das immer, ich sag nur, das soll mal wieder.
00:10:29: Aber wenn so ein Fall wieder eintritt, dann ist bei mir allarmstufe rot im Kopf.
00:10:35: Ja.
00:10:35: Und der Sturm wütet erst mal.
00:10:37: Und ich krieg mich nicht gleich wieder reguliert.
00:10:42: Es ist bestimmt für ganz viele Nachvollziehbar, wie sich dieser Sturm auch anfühlt.
00:10:45: Das ist ein gängiges Phänomen.
00:10:48: Auch ein Kontrollverlust, eine Rauschen, wie auch immer, die absolute Fernsteuerung.
00:10:55: Das Muster springt an und man ist nicht mehr Herren der Sinne.
00:10:59: Ja, genau.
00:11:02: Wir haben
00:11:03: ...
00:11:05: Das ist ja auch häufig schon besprochen auf dem Retreat hier auch.
00:11:14: Das Schädliche daran ist natürlich das, was danach folgt.
00:11:18: Also nicht das Gefühl selbst, sondern die Handlung, die daraus entspringt.
00:11:21: Insofern ist es sehr, sehr gut, dass du sagst, Moment, ich muss erst wieder buchstäblicher zu mir kommen.
00:11:28: Weil ... diese Sache, die ausgelöst wird, erst mal mit ihm und seiner Ex-Freundin gar nicht so viel zu tun hat, sondern mit deinem Gefühl, dir selber gegenüber, du bist nicht gut genug, nicht konkurrenzfähig, nicht interessant genug, was auch immer du dir da einredest.
00:11:44: Und das kommt ja irgendwo her.
00:11:47: So, wir müssen hier an die Wurzel zurück, weil dort die Lösung liegt einfach.
00:11:53: All diese Gefühle, die wir in Beziehungen häufig haben, einfach sucht Minderwertigkeitsgefühle und so weiter.
00:11:59: sind ganze alte Gefühle.
00:12:02: Die gibt es in uns, weil sie dort hineingesetzt wurden, aus Absicht oder auch nicht.
00:12:08: Und die zeigen sich dann in solchen Situationen, weil sie eben herausgekitzelt werden.
00:12:14: Wie so mit so einem Stückchen Speck eine Maus aus der Wand gelockt.
00:12:19: Außer, dass die Maus sehr, sehr groß ist und sehr, sehr viel.
00:12:24: Hast du eine Ahnung, woher es kommen könnte?
00:12:27: Ja, natürlich.
00:12:29: Ja, ich
00:12:30: weiß.
00:12:31: Aber
00:12:31: erzähle mal.
00:12:32: Ja, also, meine Mutter war Alkoholikerin.
00:12:37: Sie
00:12:37: ist jetzt auch Ende ... vierundzwanzig gestorben.
00:12:41: Wie fühlst du dich damit?
00:12:43: Es war komisch, weil ich hatte ja schon keinen Kontakt mehr mit ihr.
00:12:46: Ich hab einen Anruf von der Betreuerin bekommen.
00:12:48: Und ich wusste es in dem Moment eigentlich schon.
00:12:51: Und ja, ich hab dann auch erst mal geweint.
00:12:54: Aber dann bin ich gleich wieder in den Funktionsmodus übergesprungen, weil ich diese ganze Bestattungsgeschichte abwickeln musste.
00:13:02: Weil ich ja die einleinige Verwandte oder Nachverwandte halt nur noch war.
00:13:09: Aber irgendwo war es auch erleichtern.
00:13:11: Ja.
00:13:13: ist sicher ein komischer Zustand.
00:13:17: Weil ja, die Gesellschaft sagt, du musst supertraurig sein.
00:13:22: Es ist doch deine Mutter und so weiter.
00:13:24: Diese Diskussion führen wir entlos.
00:13:28: Ich kann mir die Erleichterung buchstäblich vorstellen.
00:13:31: Ja,
00:13:32: und das Leben mit ihr war tatsächlich immer wieder ein Drama.
00:13:36: Da kommt es halt her.
00:13:37: Also, ihre Beziehungen waren dramatisch.
00:13:40: Das war immer mit Gewalt auch.
00:13:43: Die endet noch meistens dramatisch.
00:13:45: Ich hab viel Gewalt gesehen, also nicht an mir selbst gefühlt, sag ich jetzt mal, aber ich hab viel gesehen.
00:13:53: Weil sie verprügelt wurde oder die sich gegenseitig?
00:13:57: Gegenseitig auch.
00:14:00: Und trotzdem zusammengeblieben sind und weiter getrunken haben.
00:14:04: Also ... Meine Oma hatte auch immer blaues Auge, meine Tanten hatten immer blaues Auge.
00:14:11: Also, das zog sich tatsächlich durch diese ganze Familie halt mitterlicherseits.
00:14:17: Ja, top.
00:14:18: Ja.
00:14:19: Und die sind auch alle gestorben, ne?
00:14:21: Alle sind jetzt tot.
00:14:22: Also meine Mutter war jetzt tatsächlich die Letzte.
00:14:25: Und dich gibt es ja auch noch, aber du hast einen anderen Weg für dich eingeschlagen.
00:14:29: Ja, tatsächlich habe ich mir schon, ich weiß nicht im Teenie Alter vielleicht, schon immer wieder gesagt, ich werde nicht so wie meine Mutter.
00:14:37: Wie traurig eigentlich, ne?
00:14:38: Ja.
00:14:39: Also... neutral betrachtet, dass man auf keinen Fall so werden will, wie der Mensch, der sich um einen kümmern sollte.
00:14:46: Ja, aber da ich mich auch ein übelster Kontrolletti gewohne.
00:14:50: Ja, klar.
00:14:51: Ich
00:14:51: kenne ich.
00:14:51: Also, ist mir ja nicht unbekannt.
00:14:53: Wenn ich das von dir im Podcast höre, denkst du, ja, kumpel bekannt vor.
00:14:57: Ja,
00:14:58: ja, ja.
00:14:59: Man will das genaues Gegenteil, ne?
00:15:02: Aber, hm.
00:15:03: Ja.
00:15:04: Ja.
00:15:04: Ich hätte mir halt schwer, die Kontrolle abzugeben, also in allen Belangen.
00:15:08: Na ja, weil wir gelernt haben, dass, wenn wir es nicht selber machen, dann wird es entweder nicht gut oder es wird gar nicht.
00:15:15: Genau.
00:15:18: Und da ich das erlebt habe, mit Strom wurde abgestellt, Gerichtsvollzieher stand vor der Tür, kein Geld.
00:15:24: Ich wurde ständig vorgeschickt, irgendwo Geld zu betteln.
00:15:28: oder anschreiben zu lassen.
00:15:30: Wie ich das kenne, ja.
00:15:31: Echt?
00:15:32: Ja.
00:15:33: Ohne Strom, ohne Wasser, Gerichtsvollzieher, die Sachen rausgetragen haben
00:15:37: und so.
00:15:37: Na, es gab ja nichts.
00:15:38: Also die Wand hat mir da auf
00:15:39: die Fernseher
00:15:40: protokollierend um halt, dass es nicht nichts gibt, aber es war trotzdem halt unangenehm.
00:15:46: Ja.
00:15:48: Ich wurde ja auch gemobbt in der Schule.
00:15:49: Da ich meine Mutter ja auch stark geraucht hat, auch in der Wohnung, hab ich immer nach Rauch gestunken.
00:15:55: Für mich war es normal.
00:15:57: Für mich war der Geruch normal.
00:15:59: Für die anderen war das, ich stand irgendwie.
00:16:02: Ich hab mir diese Frage neulich hingestellt, wie ich eigentlich Gerochen habe als Kind.
00:16:07: Weil ich weiß auch nicht genau, ob da drauf geachtet wurde.
00:16:12: dass ich saube Klamotten an habe.
00:16:13: Also sicher nicht.
00:16:15: Ich hab da gar keine Erinnerungen dran.
00:16:17: Und geraucht hat sie ja auch wie ein Schnut.
00:16:22: Also saube Klamotten hatte ich schon immer.
00:16:24: Ich hab tatsächlich mir die selber schon sehr früh immer rausgelegt, schon immer abends.
00:16:27: Also da fing meine Kontroletti schon immer an, damit ich morgen schon weiß, was ich anziehe.
00:16:33: Ich war ein Perfektionist, was meine Haare anging.
00:16:36: Ich hab mir immer so eine schöne Palme gebastelt.
00:16:38: Und die durfte halt keine Schlaufen haben.
00:16:40: Ich hab da so lange rumgewirkt, bis das halt perfekt war in meinen Augen.
00:16:44: Ja.
00:16:45: Was bist du für den Jahrgang noch mal?
00:16:47: -"Sechsen-Achzig".
00:16:48: -"Sechsen-Achzig".
00:16:49: Das heißt, wir sprechen über die Neunziger.
00:16:51: Mhm.
00:16:53: Obwohl die Achtziger waren frisurenmäßig auch schon schlimm.
00:16:55: Aber Neunziger haben dann noch mal so ein bisschen was draufgesetzt.
00:16:59: Mhm.
00:16:59: Ähm
00:17:00: ... Mit Gefühl für dich selber wäre angemessen in solchen Situationen.
00:17:09: Ja, also ich war ja auch in Therapie und alles.
00:17:11: Also auf Haltenstherapie, ich war auch in zweimaler Reha gewesen.
00:17:17: Aber längst ja meistens nur um den gegenwärtigen Moment, um wieder klarzukommen, weil ich mit schweren Depressionen und Burnout reingegangen bin.
00:17:25: Um erst mal einfach nur so klarzukommen, den Alltag zu bewältigen.
00:17:31: Ja, Januar ist tatsächlich immer für mich schwer.
00:17:34: Diese Woche geht's wieder, aber die letzten zwei Wochen waren irgendwie hart.
00:17:38: Ich war dauermüde, erschöpft.
00:17:42: Kein klaren Gedanken oder halt schwer.
00:17:48: Ja.
00:17:49: Ich glaube, das liegt auch an der Weltpolitik ein bisschen.
00:17:53: Das ist einfach alles gerade zu viel für mitfühlende Menschen.
00:18:00: Und ... ich find nicht nachvollziehbar.
00:18:02: Ging mir eben so.
00:18:04: Also, gerade geht's wieder.
00:18:06: Kommt ein bisschen mehr Aufschwung.
00:18:07: Ein bisschen Motivation.
00:18:10: Und diese Woche ist irgendwie so crazy, sag ich mal.
00:18:12: Weil so viele krasse Sachen passieren, so wie das jetzt.
00:18:15: Ähm, ja.
00:18:20: Als Kind ... Wie, in welchem Zustand war deine Mutter, wenn du ... so nach Hause gekommen bist von der Schule
00:18:27: oder ... Schwierig.
00:18:29: Ich bin tatsächlich mal mit Bauchschmerzen nach Hause gegangen, weil ich's nie wusste.
00:18:32: Also, ich wusste nie ... denn war's wieder abhängig von dem Monat.
00:18:36: Also, in welchen Viertel sind wir jetzt, ne?
00:18:39: Anfang, weiß ich ja, gibt's Geld, dann ist recht Rausch.
00:18:42: Ja.
00:18:43: Mitte, vielleicht auch noch, Ende ... Gibt's gar nichts mehr, beziehungsweise gab's fast kein Essen mehr.
00:18:48: Also ... Daum das Vorschicken mit ... Ja.
00:18:52: Ne?
00:18:53: Ich war Geld zu verbetten.
00:18:56: Ja, schwierig.
00:18:57: Ich bin immer mit Bauchschmerzen nach Hause gegangen, weil ich nie wusste, wie sie drauf ist, beziehungsweise wer da ist, wenn zum Beispiel noch mein Onkel da war und noch ein anderer Onkel.
00:19:05: Und die haben was mitgebracht.
00:19:07: Und wenn ich für die Fahrräder schon gesehen habe, bin ich immer schon mehr mit Angst und Bange nach oben gegangen.
00:19:12: Weil ich erst recht nicht wusste, haben die jetzt irgendwas mitgebracht und dann sitzen die da und dann eigentlich auch gelauscht, ob ich schon was von Hausflürer was höre oder so.
00:19:22: Und wenn dann wirklich alles ruhig war, und die saßen einfach nur zusammen und haben geraucht und geredet, also normal geredet, dann war es so, so, ne?
00:19:32: War richtige große Erleichterung.
00:19:34: Aber es war immer mit Bauchschmerzen.
00:19:36: Also, sie war ja auch vier Jahre mal trocken, weil sie vom Jugendamt das Ultimatum bekommen hat.
00:19:42: Entweder machst du jetzt einen Entzug oder das Kind kommt noch mal ins Heim.
00:19:48: Wie alt warst du, als du ins Heim gekommen bist?
00:19:50: Vier.
00:19:51: Wie lange?
00:19:52: Zwei Jahre.
00:19:54: Und ich versteh bis heute nicht, warum ich zurückgegangen bin.
00:19:57: Also, guck gekommen bin.
00:19:58: Natürlich hab ich da als Kind immer gesagt, ich will nach Hause.
00:20:01: Ja, klar.
00:20:02: Aber ...
00:20:03: Das war unverantwortlich.
00:20:04: Ja, tatsächlich.
00:20:06: Wir wohnen zwar immer noch überwacht, sei ich jetzt mal.
00:20:08: Es wurde geguckt, ob genug zu essen da ist, aber mehr auch nicht.
00:20:11: Also, das ist das, was ich noch in meiner Erinnerung habe.
00:20:17: Ja, schwer verständlich.
00:20:18: Na ja, und sie war zwar trocken, aber dadurch war sie irgendwie verschlossener.
00:20:23: Ich hatte eine Phase, wo ich ständig zu ihr bin und gesagt habe, ich hab dich lieb.
00:20:30: Weil ich das von ihr heuer hören wollte.
00:20:32: Und dann kam man zurück, ich dich auch.
00:20:33: Aber sie hat's nie ausgesprochen.
00:20:37: Und irgendwann hab ich's dann aufgegeben.
00:20:40: Und dann ... Silvester, zweitausend, hat sie wieder angefangen zu trinken.
00:20:46: Dann hab ich anfangs noch versucht, alles wegzuküppen, was ich gefunden habe.
00:20:51: Hat sie das
00:20:52: gecheckt?
00:20:53: Ja, ja.
00:20:53: Dann gab's richtig Ärger.
00:20:56: Sie hat mich dann mal angebrüllt und so.
00:20:57: Wir haben es gegenseitig angebrüllt.
00:20:59: Ich war dann ja auch ein Teenie-Eiter.
00:21:00: Heute
00:21:01: waren es zwei Tausend.
00:21:02: Da warst du ... Was hast du gesagt, sechsenachtiger, ne?
00:21:05: Vierzehn?
00:21:06: Ja.
00:21:07: Spielgesalter.
00:21:08: Nee, Horror.
00:21:09: Was für ein Albtraum.
00:21:10: Mhm.
00:21:12: Ich fand es voll schlimm, dass sie wieder angefangen hat.
00:21:13: Und sie hat so mit Sekt und Wein angefangen.
00:21:17: Wein, also, schmeckt wie eh nicht.
00:21:18: Aber wenn ich das auch noch rieche, ...
00:21:20: ja.
00:21:20: ...
00:21:22: könnte ich wirklich kotzen.
00:21:23: Das ist wirklich so.
00:21:24: Ich nutze es vielleicht noch zum Kochen, aber dann weiß ich, es ist gleich weg dieser Duft.
00:21:28: Ja.
00:21:29: Aber der erste Moment ist immer ... Ja.
00:21:31: So hat meine Mutter gerochen.
00:21:33: Immer.
00:21:36: Ja.
00:21:37: Irgendwann heißt es aufgegeben und hab sie jetzt machen lassen.
00:21:39: Was soll ich denn machen?
00:21:40: Ich hab's versucht, ich hab mit ihr geredet.
00:21:42: Ich hab gesagt, komm in ... Aber ...
00:21:46: hat sie dir ... Also, es gibt ja bei suchtkranken Eltern, die kommen ja manchmal zu ganz verrückten Erklärungen, warum das jetzt so alles nicht so schlimm ist oder warum das sein muss.
00:22:00: Hat sie dir irgendwie erklärt, warum sie jetzt wieder anfängt?
00:22:02: Nee.
00:22:03: Es wurde ja grundsätzlich in dieser Familie nicht geredet.
00:22:07: Ich habe immer nur, ich weiß nicht, ob du das kennst, auf Familienfeiern, ein bisschen getorkelt wurde.
00:22:13: Spitzen mitbekommen, die geschmissen wurden.
00:22:17: Gegenseitig.
00:22:18: Ja.
00:22:18: Weil die
00:22:18: alle gesoffen haben?
00:22:20: Ja.
00:22:22: Mehr oder minder, ne?
00:22:23: Also, ja.
00:22:25: Also, ich weiß nicht, was da genau abgegangen ist.
00:22:27: Also, meine eine Tante war auf meine Mutter sauer, zum Beispiel, weil sie nicht ihr den Knochenmark gespennt hat oder sich wenigstens testen lassen hat.
00:22:37: Das hat mein Onkel gemacht zweimal.
00:22:40: weil sie Lokemy hatte.
00:22:42: Und sie, weiß ich nicht, hat sich in der Zeit verweigert.
00:22:44: Ich war da aber noch minimie.
00:22:46: Also, ich hab ja keine Ahnung von.
00:22:49: Ja.
00:22:49: Das hat sie hier immer wieder so als Spitze sozusagen hingeworfen.
00:22:54: Aber es wurde grundsätzlich nicht geredet.
00:22:57: Es wurde alles totgeschwingt.
00:22:59: Wo ist dein Vater in dem ganzen Szenario?
00:23:01: oder Erzeuger?
00:23:03: Ja, mehr Erzeuger.
00:23:05: Ich weiß nicht, ob er einfach nur zu jung war, ob er ... Ich weiß nicht.
00:23:10: Er war neunzehn, sie war sechsundzwanzig, als die sich kennengelernt haben.
00:23:14: Mit neunundzwanzig hat es mich bekommen.
00:23:19: Er war relativ schnell erwesend.
00:23:20: Was sie mir erzählt hat, ist, dass er mich nicht wollte.
00:23:28: Sie getreten hat, auch wohl gegen Bauch.
00:23:32: Sie haben sich relativ schnell dann auch getrennt.
00:23:35: Er war nur so sporadisch, da ... sag ich jetzt mal, wo ich im Heim war, zum Beispiel, haben wir uns zufällig da wieder gesehen.
00:23:44: Weil seine neue Frau, ihr Sohn, auch mit mir im Heim im gleichen Zimmer war.
00:23:52: Und warum wurde der den weggenommen, weil die auch so offen?
00:23:56: Nee, da, ich weiß nicht, was da, also da muss auch irgendwas gewesen sein.
00:23:59: Die hatte vorher schon einige Kinder, die hat ganz viele Kinder.
00:24:04: Also, die wohnen ja fast alle weggenommen.
00:24:07: Ja, okay.
00:24:07: Also ist beim Vater auch nichts an gesunder Emotionalität zu holen?
00:24:12: Nicht wirklich.
00:24:12: Ich hab tatsächlich mal vier Wochen da gelebt bei denen, weil bei uns wurde irgendwie, das Haus wurde grundsinniert, dann haben die ganz viel in der Wohnung gemacht, dann hatten wir irgendwie mal durch irgendeine Zufall, weil es auch immer wieder Kontakt, und dann haben die halt in Abmacherung getroffen.
00:24:25: Ich komm zu ihm in der Zeit, wo halt in der Wohnung was gemacht wird, damit ich diesen Baulärm nicht ausgesetzt werde und ... Und kommen dann wieder und hat sie eine Vollmacht ausgestellt wegen Hordabholung und so weiter.
00:24:41: Ich musste zweite Klasse da, glaube ich gewesen sein.
00:24:44: Und es war auch noch über Ostern.
00:24:46: Und die neue Frau, also die hatten ja auch einen Sohn, also mein Bruder, der ist drei Jahre
00:24:52: jünger.
00:24:53: Hast du mit dem Kontakt?
00:24:55: Nee,
00:24:56: nee, nee.
00:24:57: Der war so der King, ne?
00:24:59: Also der wurde betüdelt und, ja.
00:25:04: Da war ja noch eine Tochter von ihr auch noch da.
00:25:09: Sie wurde ganz schlecht behandelt.
00:25:12: Ich hab das zwar gesehen, aber ich glaub, ich hab mich einfach hilflos geführt, weil ich nicht wusste, was ich machen soll.
00:25:19: Das war so ein ... Was soll ich machen?
00:25:22: Ich bin selbst ein Kind.
00:25:23: Und die wurde auch geschlagen?
00:25:24: Sie wurde geschlagen.
00:25:26: Wir haben uns später irgendwann wieder getroffen, weil sie ... wieder mal ... Das Universum hat uns jetzt zusammengeführt.
00:25:32: Sie hat dann gegenüber von mir im selben Dorf gelebt, in der Pflegefamilie.
00:25:37: Und dann hat sie mir ganz krasse Sachen erzählt.
00:25:39: Die Nase wurde ihr gebrochen, der Arm wurde ihr gebrochen.
00:25:42: Sie wurde aus dem Krankenhaus nicht abgeholt.
00:25:45: Was ich noch mitbekomme in der Zeit, wo wir da waren, ist, dass sie einerseits nicht aus dem Bett sollte.
00:25:52: Aber wenn sie eingemacht hat, wurde sie dafür bestraft.
00:25:56: Ja, das war ganz schlimm.
00:25:59: Oder ich hab einmal verschlafen, mein Vater hat verschlafen.
00:26:03: Er hat mich ja dann mal zur Schule gebracht.
00:26:07: Ich weiß nicht, in welcher Konstellation hat er mir den Vorwurf gemacht.
00:26:10: Ich hätte ihn ja nicht geweckt.
00:26:12: Er hat das schön umgedreht.
00:26:14: Ich sollte dann irgendwas erzählen.
00:26:15: Meiner Lehrerin vom Wegen des Autos hat gestreikt, was auch immer.
00:26:19: Ich hab ihr die Wahrheit gesagt.
00:26:21: Einfach, weil sie total lieb war und nichts Böses um wie wollte.
00:26:26: Sie wollte einfach nur genau wissen, was los war.
00:26:29: weil ich sonst immer so zuverlässig bin und so.
00:26:31: Und das fand er irgendwie nicht so cool, dass ich das gesagt habe.
00:26:36: Aber
00:26:36: dich haben sie nicht verprügelt oder so?
00:26:38: Nee, aber sehr ganz schön manipuliert.
00:26:42: Ich hatte dann ... Sie hatte so ein Bürstenhaarschnitt.
00:26:46: Ich weiß nicht, ob du den noch kennst.
00:26:47: Umso ganz igelig und hinten so ein bisschen länger.
00:26:51: Ja, ja.
00:26:52: Deno
00:26:52: hatte ich auch mal
00:26:53: als ich Modell war
00:26:54: beim Friseur, weil es kostenlos
00:26:56: war.
00:26:57: Dann hat sie mir eingeredet, das würde mir auch ganz gut stehen.
00:27:01: Dann sind wir beim Friseur gewesen.
00:27:04: Und die Friseurin hat wirklich, wirklich, wirklich, die war total lieb.
00:27:08: Und die hat ständig nachgekommen, ob ich das wirklich will.
00:27:10: Und ich habe ständig, ich wollte ihr gefallen.
00:27:13: Ich wollte dieser Frau gefallen.
00:27:15: Damit ich dazugehöre, hab ich das echt machen lassen.
00:27:18: Ich hab's danach direkt bereut und hab das immer runtergegillt.
00:27:22: Und du warst, du hattest vorher langes Haar, oder was?
00:27:25: Ich hatte so Schulter langes Haar, ja.
00:27:28: Ja.
00:27:29: Und dann war irgendwie Ostern und dann haben die mir eingeredet.
00:27:31: Also, meine Mutter stand irgendwie unten vor der Tür und wollte natürlich mir was bringen.
00:27:39: Dann haben die mir eingeredet, dass sie sie nicht sehen will.
00:27:42: Und ich war sonst wie spät.
00:27:44: Ich saß da und einerseits, ich wollte meinen Vater gefallen, aber irgendwie meine Mutter sehen.
00:27:52: Und saß dann einmal, hab gar nichts mehr gemacht.
00:27:57: Schrecklich.
00:27:58: Ja.
00:28:00: Also, ich bin natürlich danach derzeit wieder zurückgekommen.
00:28:02: Aber das war ... emotionale Achterbahnfahrt.
00:28:08: Ja.
00:28:08: Mhm.
00:28:12: Na ja, und vor allen Dingen bist du ja als Kind in solchen Familien die ganze Zeit mit Überleben beschäftigt.
00:28:19: Du darfst ja nichts ... Also, musst jeden Schritt vorhersagen, damit nichts passiert, dass irgendwie schlimm ist.
00:28:26: Du darfst nicht laut sein.
00:28:28: Du musst aufmerksam sein.
00:28:29: Du bist die ganze Zeit auf Alarm, in höchster Alarmbereitschaft.
00:28:35: Albtraum.
00:28:36: Ja.
00:28:37: Gleichzeitig prügeln die dir natürlich auch ein.
00:28:41: im Tatsächlichen übertragenen Sinne, dass du nichts wert bist.
00:28:45: Weil deine Bedürfnisse werden ja nicht einmal beachtet.
00:28:49: Ja.
00:28:50: Also, meine Mutter hat zwar vieles versucht mit materiellen, ne?
00:28:53: Also, wie ich gesagt habe, ich möchte die Süßigkeit haben, man sei mit dieser Süßigkeit gebracht.
00:28:57: Aber diese emotionale, die konzen mir einfach nicht geben.
00:29:03: Und das überträgt sich natürlich auch auf deine Beziehung, das ist ja logisch, ne?
00:29:07: Sobald irgendjemand auftaucht, Ist das ... bist du in Lebensgefahr buchstäblich?
00:29:13: Das ist ja so.
00:29:14: Das ist für dich ein reales Gefühl in dem Moment.
00:29:16: Ja,
00:29:17: es sind tatsächlich auch Freundschaften dramatisch teilweise geendet.
00:29:21: Also, manche klar, die fließen einfach auseinander, weil ... dann ist halt einfach kein Kontakt.
00:29:27: Aber man ist nicht bis auseinandergegangen.
00:29:29: Aber in manchen, wie letztes Jahr, hatte ich eine Freundschaft, die ... Das war wirklich Drama.
00:29:35: Also ... Von uns beiden wahrscheinlich auch noch geschürt.
00:29:40: Und ich sag auch immer wieder, ich möchte gar keinen Drama, aber ich zieh das halt an, ne?
00:29:45: Ja.
00:29:46: Na ja, beziehungsweise ... ich wünsch mir, dass du damit liebevolleren Blick auf dich schaust.
00:29:54: Alles ist für dich eine Gefahr in deiner Wahrnehmung.
00:29:57: Und darum ziehst du das Drama nicht an, sondern es ist ja für dich ein reales Empfinden.
00:30:04: Du bist jetzt nicht mehr in Gefahr.
00:30:06: weil du eine selbstbestimmte coole Erwachsener geworden bist.
00:30:10: Aber das Gefühl, dass du in Gefahr bist, das sitzt ja noch ganz, ganz tief.
00:30:14: Ja.
00:30:15: So.
00:30:17: Man kann ... Also, du kannst das natürlich erklären an anderen Leuten.
00:30:23: Aber wichtiger ist noch, dass du nicht mehr in diesen Studel gerätst.
00:30:28: Mhm.
00:30:28: Ja.
00:30:30: Das sind ja im Grunde Flashback-Situationen.
00:30:33: Ja.
00:30:34: So.
00:30:35: Da ist es nicht.
00:30:35: Und das hat nichts mit der Ex-Freunde tatsächlich zu tun oder der Kollegin oder der Freundin, die sich komisch benimmt oder was auch immer, sondern tatsächlich mit Ängsten, die in dir ganz, ganz tief verwurzelt sind.
00:30:47: Trauma.
00:30:48: Trauma.
00:30:49: Einfach.
00:30:50: Sie hätten einfach nur gut den Spiegel hin, dass da noch ganz viel in mir drin ist, was aufgebildet werden darf.
00:30:56: Und dafür kann man ihr dankbar sein.
00:30:58: Ja, einerseits schon.
00:31:00: Das wäre eine Angehensweise.
00:31:02: Selbst wenn sie auch so ein Konkurrenzding hat, was er sein kann.
00:31:06: Menschen sind manchmal bescheuert.
00:31:09: Ich war auch viele dumme Sachen gemacht in meinem Leben.
00:31:12: Oder sagen wir aus einer unbearbeiteten Emotion herraus.
00:31:20: zu ihr hingehen und sagen, pass auf.
00:31:22: Ich fühle mich manchmal so scheiße, wenn du da bist.
00:31:25: Und ich will dir nur ganz kurz erklären, warum das so ist.
00:31:29: Nämlich diese Geschichte, die du gerade erzählt hast, das ist ja hochgradig berührend.
00:31:36: Und man versteht dich, wenn man das weiß.
00:31:39: Die meisten Leute kennen aber so Background-Geschichten natürlich nicht.
00:31:42: Die denken nur, was für eine dämliche Eifersucht.
00:31:44: durch die Geziege, wie die mich anguckt, giftet darum, ich darf ja wohl meinen Ex-Freund auf die Wange küssen.
00:31:51: Warum nicht?
00:31:52: Ja, sind vertraute Menschen.
00:31:54: Kann man darüber diskutieren, aber ... Also ... So.
00:31:59: Wenn sie das aber weiß, sieht sie das ... Also, wenn sie nicht total bescheuert ist, ist ja auch egal.
00:32:08: Hat sie zumindest die Chance, das realistisch zu sehen?
00:32:12: Ja.
00:32:13: dass du nicht sie meinst, sondern dass in dir einfach wirklich große Ängste vorkommen.
00:32:21: So was nachvollziehbar ist.
00:32:24: Und auch okay.
00:32:26: Aber diese Zustände kenne ich natürlich auch.
00:32:31: Ich habe die gleichen Ängste.
00:32:33: Also, so schnapp ich sie im Griff, aber ich hab Jahre damit zugebracht, wirklich so impulshaft mich durchs Leben schleudern zu lassen, einfach weil ich nicht rechtzeitig gesagt hab, stopp, stopp, stopp, warte mal, wupp, ich bin ja erwachsen.
00:32:45: Ich bin ja gar nicht mal ausgeliefert.
00:32:48: Ich kann das jetzt selber bestimmen, bleibt cool, bleibt cool.
00:32:51: Alles gut, so.
00:32:54: Und das ist ... Ich glaube, so der letzte Heilungsabschnitt, den man anstreben kann, dass wirklich der Körper nicht mehr so schreit.
00:33:07: Ja.
00:33:09: Sondern man sagen kann, es ist alles gut.
00:33:11: Ich hab dich doch.
00:33:12: Ja.
00:33:13: Du bist in Sicherheit.
00:33:14: Darum geht's.
00:33:17: Also Drama Queen, ja, von außen betrachtet.
00:33:21: Von innen echtes Drama.
00:33:23: Also, ne?
00:33:25: Weil diese Ängste, die man als Kind hat, das musst du dir mal vorstellen.
00:33:29: In der Rückstau.
00:33:30: Ein vierjähriges Kind, das nicht in Sicherheit ist.
00:33:34: Das ist ein absoluter Albtraum.
00:33:36: Mir wurde weiß gemacht, ich muss nur im Wochenende hier bleiben.
00:33:40: Also in dem Heim.
00:33:40: Und dann werde ich wieder abgeholt.
00:33:46: Oder einmal Ostern sollte meine Mutter herkommen zu Besuch.
00:33:49: Und sie kam nicht.
00:33:51: Sie hatte einen Unfall.
00:33:52: Sie hatte wirklich einen Fahrradunfall.
00:33:55: Ich weiß es nicht, sie hatte sich die Schulter gebrochen.
00:33:59: war ja nix mit Telefon und so weiter.
00:34:01: Aber natürlich, ich bin dann schnell zum Tor gerannt und hab geguckt, ob sie kommt, ne?
00:34:04: Also, es war so für mich so völlig Verlustangst.
00:34:08: Wir reden über die ehemalige DDR.
00:34:11: Nee, wir sind ... es sind ... neunzig.
00:34:13: Neunzig?
00:34:14: Okay, aber auf ehemaligem DDR-Gebiet.
00:34:17: Ja.
00:34:17: Ja, wo ... einfach, ich frage deshalb, weil ... ja, auch in den Kindergärten der Ton einfach ein bisschen schärfer war noch, ne?
00:34:24: Da war so, Pädagogik häuf ich noch nicht so ...
00:34:27: War's auch nicht.
00:34:28: Angekommen.
00:34:29: Also
00:34:29: liebevolle Betreuung.
00:34:31: Funktional.
00:34:32: Essen wurde erzwungen.
00:34:34: Ich konnte lange keine Rosenkuh essen, weil mir das so aufgezwungen wurde.
00:34:40: Das ist bei mir Hängenbildbeam, ne?
00:34:42: Ja.
00:34:43: Irgendwas war mit Duschen.
00:34:46: Wir haben uns gegenseitig mit Krankheiten übelst angesteckt mit Mums und schieß mich tot.
00:34:52: Ich hab wirklich nur Fetzen.
00:34:53: Ich kann nicht mal sagen, ob ich da in den Kindergarten irgendwie war.
00:34:56: Ich weiß nur, wir sind mal kurz in die Vorschule geschickt worden.
00:35:01: Und ich hab mich gefragt, was ich hier soll.
00:35:04: Weil ich ja im Prinzip, ich kam nach Hause, bin sofort in die Schule gekommen.
00:35:07: Und es war für mich ... schlimm.
00:35:10: Also, ich hab die erste Klasse tatsächlich auch noch mal gemacht.
00:35:13: Weil
00:35:14: es zu viel war.
00:35:14: Ja, natürlich war das zu viel.
00:35:16: Und weil ich auch in die Klasse nicht richtig reinkam.
00:35:19: Weil viele kannten sich ja noch aus dem Kindergarten.
00:35:22: Und ich kam ja so von außen betrachtet und so reingeschubst.
00:35:26: Und dann war ich noch die komisch, die nach Rauch riecht, oder wie auch immer.
00:35:31: Und einfach auch ein unglückliches Kind, das merkt andere Kinder ja auch.
00:35:36: Aber ich muss sagen, ich hatte gute Lehrer und die Erzieher, die halt den Hort auch betreut haben, die haben sich dann mit meiner Mutter zusammengesetzt, weil sie gemerkt haben, dass die halt nichts getan hat.
00:35:48: Ich glaub, nur die Anmeldung zur Schule.
00:35:51: Essen war nicht angemeldet, Hort war nicht angemeldet.
00:35:54: Ich wurde selten abgeholt.
00:35:56: Ich bin manchmal vier Kilometer nach Hause gelaufen.
00:36:00: Weil ich nicht wusste, was ich machen soll.
00:36:02: Dann haben die sich das auch einen Busausweis beantragt.
00:36:05: Das wurde doch alles bezahlt damals.
00:36:08: Ja, klar.
00:36:09: Und ... Und dann lief das.
00:36:12: Als das denn angerollt war, lief das auch besser.
00:36:15: Und ich kam auch besser rein.
00:36:17: Und auch, dass ich mich sozial auch mehr mit den Kindern halt beschäftigen konnte.
00:36:24: Ansonsten war ich so ein bisschen das Einzelkind.
00:36:29: Ja.
00:36:33: Ich hab tatsächlich auch noch ne Schwester.
00:36:35: Aus derselben Kombination?
00:36:38: Von meinem Vater, also drei Kinder von drei verschiedenen Frauen.
00:36:41: Ach
00:36:41: so.
00:36:42: Das habe ich durch das Jugendamt erfahren, als ich Einsicht bekam mit achtzehn.
00:36:48: Dass ich noch eine Schwester habe.
00:36:50: Die
00:36:50: älter ist.
00:36:50: Nee, die ist jünger.
00:36:51: Siebzehn Jahre jünger.
00:36:56: Okay, aber die war nicht von der Frau, war der, du warst, sondern der danach, quasi.
00:37:02: Genau,
00:37:02: genau.
00:37:04: Und die musste bei ihm aufwachsen?
00:37:06: Nee, die ist bei ihrer Mutter aufgewachsen.
00:37:07: Und die war vernünftig zu ihr?
00:37:10: Ich denke schon, ja.
00:37:12: Ich hab sie einmal richtig getroffen.
00:37:15: Ich hab sie über Facebook ausfindig gemacht.
00:37:19: Und ... Was sie mir aber auch über meinen, oder unseren Vater dann erzählt hat, hat das gespiegelt, was bei mir war, kein Interesse.
00:37:27: Wir haben uns gedacht, vielleicht kann er keine Mädchen leihen.
00:37:30: Weil es ähnlich war.
00:37:32: Ja, vielleicht ist er auch einfach ein dummer Arschloch.
00:37:36: Ich hab untherapiert, Entschuldigung, dass wir rauskrutzen.
00:37:39: Untherapierte Mensch.
00:37:40: Vielleicht
00:37:40: wurde ihm ja auch eingerichtet, dass Mädchen weniger wert sind als Jungs.
00:37:43: Ich weiß es nicht.
00:37:45: Es gibt keine Rechtfertigung.
00:37:47: Du hast als Erwachsener immer die ... die Möglichkeit, dich für das Kind zu entscheiden.
00:37:53: Und dafür, dass du ein vernünftiger Mensch bist, die Entscheidung gibt es.
00:37:57: Und darum, ich hab echt wenig Respekt für Leute, die sich dagegen entscheiden.
00:38:04: Ich bin mittlerweile, bin ich damit versöhnt, irgendwie, ich hatte lange ganz viel Groll und Bitterkeit in mir, ihm gegenüber, warum ich halt für ihn viel, viel weniger wert bin als mein Bruder.
00:38:20: Ähm ... Wir haben uns ja doch immer mal wieder kurz als Kind auch mal getroffen.
00:38:24: Wenn ich mal diese Fase hatte, ich will meinen Papa sehen, hab ich einen Brief geschrieben.
00:38:27: Die Adresse hatten wir ja durch Jungdörmt.
00:38:30: Und dann hat er sich auch gemeldet.
00:38:32: Und dann hatten wir auch mal Kurzkontakt.
00:38:34: Und dann hat er es aber ausschleichen lassen, sag ich jetzt mal.
00:38:38: Dann stimmt auf einmal seine Telefonnummer nicht mehr und so weiter.
00:38:42: Und das hat sich im Prinzip gezogen über die ganzen Jahre.
00:38:47: Lebt er noch?
00:38:48: Ich denke schon.
00:38:49: Aber
00:38:49: du hast keinen Kontakt?
00:38:50: Ich hab keinen Kontakt.
00:38:51: Aber was ich gemacht habe, um meine Bitterkeit und Wut abzulegen, dass ich tatsächlich zu Weihnachten in sein Dorf gefahren bin mit meinem Freund.
00:39:00: Und ich wusste ja so ungefähr, wo ich wohnt.
00:39:02: Weil die ganzen Jugendamtssachen hab ich alle weggehauen.
00:39:04: Weil ich dachte, ich will diese ganze Vergangenheitsgedöns weghaben mit.
00:39:08: Ja.
00:39:08: Was da war.
00:39:09: Und wir sind mal hin und haben einfach mal geguckt.
00:39:12: Und gleich das erste Haus haben wir den Namen gesehen.
00:39:14: Ich war mal unsicher, weil der ein bisschen anders geschrieben war.
00:39:19: Ähm, haben wir noch weitergeguckt.
00:39:20: Ich hab einfach eine Weihnachtskarte reingeschmissen.
00:39:26: Das ist einfach nur ... Meine Adresse hab ich raufgeschrieben, aber ohne Erwartung.
00:39:31: Einfach nur, du kannst, wenn du möchtest, du musst aber nicht.
00:39:34: Das letzte Weihnachten.
00:39:35: Ja, sehr, genau.
00:39:36: Mhm,
00:39:37: okay.
00:39:38: Ähm, also ... zurück in die Gegenwart.
00:39:44: Mhm.
00:39:46: Dieser Sturm in dir, den find ich völlig nachvollziehbar.
00:39:50: Das ist einfach die Summe dessen, was du erlebt hast.
00:39:54: Diese maximale Ablehnung oder dieses im Stich gelassen werden.
00:39:59: Und dass das eine riesige Angst, in die er vorlöst ist, er vorbringt, auslöst, ist doch logisch.
00:40:09: Wenn du wieder in so ein Stuhl gerätst, hab mitgefühl mit dir.
00:40:16: Die Arme, kleine Yvonne, ist das nämlich nicht die große Erwachsene, sondern die Arme, die immer noch glaubt, dass sie ausgeliefert ist.
00:40:25: Weil du kannst alles selber bestimmen.
00:40:28: Wenn dein Freund unehrlich zu dir ist oder dich sehr verletzt, kannst du gehen.
00:40:35: Wenn du die Arbeit verlierst, kannst du eine Neue suchen.
00:40:38: Wenn deine Wohnung blöd ist, kannst du dir eine Neue suchen und so weiter.
00:40:43: Du bist Herren deines Schicksals jetzt.
00:40:46: Die kleine Iwon war das aber nicht.
00:40:48: Darum ist es wichtig, dass die Erwachsene große selbstständige Iwon ohne übermäßig kontrollieren zu werden, die kleine Iwon in den Arm nimmt und sagt, das ist alles gut.
00:40:58: Du bist in Sicherheit.
00:40:59: Du bist de facto in Sicherheit von weltpolitischen Geschichten.
00:41:04: Aber so emotional bist du in Sicherheit, weil du dir das geben kannst, was
00:41:08: du brauchst.
00:41:10: Zuverlässigkeit, Loyalität und so weiter.
00:41:15: Und du hast es verdient.
00:41:17: Jeden Tag.
00:41:21: Und wenn du das nicht bekommst, kannst du es einfordern.
00:41:24: Und wenn dir das jemanden nicht gibt, kannst du ihn rausschmeißen.
00:41:27: Oder aus deinem Leben schmeißen.
00:41:29: Egal, ob das Freunde sind oder Partner oder was weiß ich.
00:41:36: Darum ist es schon sehr, sehr richtig, dass du sagst, ich kann gerade nicht.
00:41:39: Weil du bist dann wirklich wie von Sinnen und auch gar nicht in dir.
00:41:44: Die dich gibt es in dem Moment nicht.
00:41:46: Darum, so lange du dich dann erklärlich, erklärlich, erklärbar machst, verständlich machst, ist alles okay.
00:41:58: Und du bist keine Drama Queen, sondern du bist ein Mensch, der über Lebensangst hat.
00:42:03: Weil der kleine Mensch hervorkommt plötzlich.
00:42:06: Da geht so eine Tür auf.
00:42:10: Ins Kinderzimmer quasi.
00:42:11: Ja.
00:42:12: Und dieses Kind schreit und weint und ist völlig verzweifelt.
00:42:16: Ja, stimmt, ja.
00:42:17: Und ist nachvollziehbar.
00:42:21: Und der wird eine Teenager natürlich noch dazu.
00:42:23: Noch
00:42:23: dazu.
00:42:24: Aber du kannst reingehen und sagen, hey, es ist alles gut.
00:42:27: Ich bin für euch da.
00:42:30: Bist du ja.
00:42:33: Und ich finde aber schön, dass dein Freund zumindest in der Lage ist, das zu verstehen und nachzuvollziehen.
00:42:41: Das ist ein großes Geschenk.
00:42:43: Auf jeden Fall.
00:42:44: Also, ich bin auch sehr dankbar für ihn.
00:42:46: Dass er auch mich dann so nimmt.
00:42:50: Also, für mich sage ich, ich kann jetzt nicht, dass er mir den Raum gibt.
00:42:53: Und wenn ich aber ansetze, ich muss jetzt mit dir reden.
00:42:57: Ich muss dir was erzählen, was ich gerade erkannt habe.
00:43:00: Dann hört er mir zu und sagt, Mensch, jetzt, wo du es erzählst, kann ich dich voll verstehen, ne?
00:43:05: Ja.
00:43:07: Und ich versuch einfach ... sensibler sozusagen grant zu gehen, damit ich nicht gleich Alarmstufe rot in mir wieder fühle.
00:43:16: Ähm ...
00:43:17: Ja, also, du musst nicht an die Situation sensibel rangehen, sondern das, was du danach machst, dass du dich nicht verurteilst dafür, sondern sagst, hey, es ist alles okay, wir wissen ja, woher es kommt.
00:43:29: Aber die Bedrohung in der Realität ist jetzt gering.
00:43:33: Also, wenn sollte jemand entscheiden, dich zu verlassen, macht das so oder so, egal ob du dich darüber sorgst oder nicht.
00:43:40: Ja, also.
00:43:44: Und wenn du der Ex-Freundin irgendwann musst du auch nicht, aber kannst du, wenn sie versteht, wer du bist und warum du manchmal vielleicht von außen betrachtet so ein bisschen bekloppt wirkst, ja?
00:43:59: Eifersüchtige, Ziege, gucktböse, was weiß ich, wird sich auch das auflösen.
00:44:06: Und dann wirst du feststellen, okay, die Gefahr ist gar nicht da.
00:44:10: Ja.
00:44:10: Sondern ich hab Angst, das, was ich so wertschätze zu verlieren, wie es immer war in deinem Leben.
00:44:16: Ja.
00:44:17: So.
00:44:20: Ja.
00:44:21: Gerade bei ihm hab ich das so dieses heftige Gefühl, sag ich jetzt mal.
00:44:25: Das hatte ich vorher nicht.
00:44:26: Da war ich, ich sag jetzt mal entspannter.
00:44:29: Da war ich vielleicht auch nicht all-in mit meinen Gefühlen.
00:44:31: Ja, genau.
00:44:34: Ja.
00:44:34: Ja, klar, jetzt vielleicht hast du dich verletzlicher gemacht als früher.
00:44:38: Und da sind die Ängste vielleicht auch ein bisschen größer.
00:44:44: Aber jemand, der es gut mit dem meint, der verletzt sich nicht.
00:44:47: Zumindest nicht so tief, dass es wirklich Narben hinterlässt.
00:44:49: Ja.
00:44:50: Und jemand, der es trotzdem tut, ist nicht der richtige Mensch.
00:44:53: Ja, stimmt ja.
00:44:54: Es
00:44:54: ist eigentlich relativ fair gelöst.
00:44:57: So.
00:44:59: Und Verletzung durch nicht den richtigen Menschen kann man ganz gut empfehlen.
00:45:04: Ja.
00:45:06: Alle anderen tun es nicht.
00:45:07: Mhm.
00:45:09: Ja.
00:45:11: Ich finde, du kannst dich selber ... Ein bisschen beweiden vielleicht noch.
00:45:19: Ja, ich bin noch dabei, sagen wir mal so.
00:45:21: Ich kann es leider nicht immer.
00:45:24: Manchmal kommt es so in Wellen.
00:45:28: Ähm ... Ja, aber manchmal denke ich so, Mensch, ich fühle mich wieder so hart.
00:45:34: Also, es wäre diese harte Schale um mich.
00:45:36: Ich muss jetzt stark sein, warum auch immer.
00:45:39: Das muss jetzt keinen bestimmten Grund haben.
00:45:41: Und dann fühle ich das nicht, ne?
00:45:46: Dann ist es so, ja, dann ist es so.
00:45:48: Ja.
00:45:51: Genau.
00:45:51: Und dieser Controletti in dir, der steht natürlich da ein bisschen im Weg.
00:45:56: Mhm.
00:45:58: Die Controletti darf sich aber auch zur Ruhe setzen.
00:46:02: Zumindest temporär, ne?
00:46:04: Die hat eine große Funktion gehabt, nämlich dich in Sicherheit zu wegen.
00:46:08: Aber du kannst jetzt den Job übernehmen.
00:46:11: Das kann man ihr auch sagen.
00:46:12: Und zwar ganz bewusst.
00:46:14: Ich bin ja großer Fan des Selbstgespräches.
00:46:17: Ja.
00:46:19: Und sagen, ich merke, dass du da bist.
00:46:20: Ich merke, dass du jetzt wieder aufräumen willst, obwohl du hier gar nicht rumgesaut hast, buchstäblich.
00:46:26: Oder tatsächlich, wie auch immer.
00:46:29: Aber du darfst jetzt ausruhen.
00:46:32: Du darfst dich hinsetzen.
00:46:34: Du darfst dich auch mal bedienen lassen.
00:46:36: Beschenken, verwöhnen, was auch immer.
00:46:39: Ja?
00:46:40: Ja, das ist auch so ein Thema.
00:46:42: Ja,
00:46:42: natürlich.
00:46:42: Ich
00:46:43: kann dann oft nicht stillsetzen und denke, stopp, könnte ich ja noch mal.
00:46:47: Genau.
00:46:48: Oder bin ich dann in so einem Machwahn?
00:46:51: Dann denke ich, vielleicht schon später, ich wollte mich nur hinsetzen und eine Serie schauen.
00:46:55: Genau, aber weil du immer auf der Hut sein musstest, ist dir die Ruhe ja nicht gut.
00:47:03: Also, du darfst dich nicht entspannen.
00:47:04: Ja.
00:47:05: Aber wenn du so was feststellst, wie ich wollte, mich nur kurz hinsetzen und dann ... Den Impuls kriegst du trotzdem, was zu tun.
00:47:12: Versuch das zu spüren und dann sagst du, nee, nee, nee.
00:47:15: Es klappt manchmal schon.
00:47:17: Gut.
00:47:18: Es sich arbeitet ja auch an mir und ich schreib auch hier auf.
00:47:21: Ich entweder red ich mit meinen Katzen darüber, die gucken mich immer ganz mit großen Augen an oder ... Ich denke,
00:47:27: Gott, wo bin ich denn hier geladen?
00:47:31: Und ja, also ja.
00:47:34: Aber oftmals sind die Gefühle oder was halt hochkommt ... In dem Moment mächtiger irgendwie, ne?
00:47:40: Noch.
00:47:41: Noch
00:47:42: mächtiger.
00:47:42: Und dann bräuchte ich halt echt, um erst mal runterzukommen.
00:47:47: Um auch zu erst mal zu fühlen und zu ergründen, was ist das überhaupt in mir?
00:47:51: Was passiert da gerade?
00:47:53: Genau.
00:47:53: Aber dann ist er völlig okay zu sagen, ich kann grad nicht.
00:47:57: Und das kannst du ja überall machen.
00:47:59: Sagen, Moment, nehm ich kurz raus.
00:48:03: Das dauert ja nicht lang, ne?
00:48:05: Das ist so ... Und wie häufiger du das machst, desto geringer werden die Impulse.
00:48:13: Okay.
00:48:14: Weil du, also die selber beibringst, nee, warte, es gibt keine Gefahr.
00:48:19: Das ist keine Gefahr hier.
00:48:21: So.
00:48:23: Und abgesehen davon, ich finde, man darf auch manchmal doof sein.
00:48:27: Darf man einfach?
00:48:28: Es ist menschlich.
00:48:29: Ja, wir müssen nicht immer perfekt performen und perfekt reagieren.
00:48:32: Wir dürfen auch kacke sein und blöde Sachen machen, solange niemand dabei ernsthaft zu Schaden kommt.
00:48:39: Ich
00:48:40: finde es völlig okay, wenn Leute sich hinterher für ihr Kackverhalten entschuldigen.
00:48:44: So mache ich das auch.
00:48:45: Und dann ist gut, ja?
00:48:47: Also, solange es nicht Strategie ist oder Routine ... Also, es gibt ja auch Leute, die ... Ähm, sagen dann, steh ich nicht so an.
00:48:59: Bei deinem Bruder war das ... Dein Bruder beschwätzt sich über so was nie.
00:49:02: So was mein ich natürlich nicht.
00:49:04: Sondern wenn man sagt, pass auf, ich hab völlig unangenehmesen reagiert, ich wollte dich nicht Arschkampeln nennen oder was weiß ich.
00:49:11: Aber das und das und das ist in mir passiert und ich hab völlig den Überblick verloren, wie auch immer.
00:49:17: Ja, Verantwortung dafür übernehmen, ist alles okay für mich.
00:49:20: Hatten wir gestern erst, weil es ein bisschen stressig war.
00:49:23: Und dann hab ich gesagt, es tut mir leid, aber ich war selber nicht momentan immer vor.
00:49:28: Und dann war alles wieder
00:49:30: gut.
00:49:30: Wir haben uns eher so ein bisschen flaxig angezickt.
00:49:34: Wir haben uns da reingesteigert, sondern so, wir mussten uns ein bisschen Luft machen über diese Situation.
00:49:41: Weil halt das grad so ein bisschen viel für uns beide war.
00:49:46: Also ... Das war eine andere Situation.
00:49:48: Ich hab ihn bei ein paar Sachen unterstützt.
00:49:50: Weil ich mir selber aber vorlade oder hatte nicht den Kopf so richtig dafür.
00:49:53: Und dann ... Ich dachte, oh, dann wird man ja so ein bisschen ... ja, pflapsig.
00:50:01: Ja.
00:50:01: Zueinander, ne?
00:50:03: Genau.
00:50:05: Ja, genau.
00:50:06: Genau.
00:50:07: Aber ist
00:50:07: auch menschlich.
00:50:09: Ja.
00:50:09: Es finde ich auch okay.
00:50:11: Als es aber gelöst war, man sagt, Mensch, tut mir Leid wegen vorhin.
00:50:14: Ja,
00:50:15: easy.
00:50:15: Fertig.
00:50:16: Ja,
00:50:16: genau.
00:50:16: Muss man jetzt nicht rumschmollen.
00:50:18: Ja.
00:50:19: Alles gut.
00:50:22: Ich kündige das auch an, wenn ich gestresst bin und sage, pass auf, heute kannst du krachen.
00:50:28: Ich bin ultraüberfordert.
00:50:30: Alles ist zu viel.
00:50:32: was auch immer geschieht, nimmst nicht persönlich.
00:50:34: Also wenn ich dann auch mich so beschwere über Dinge oder so anfange, so rumzukäifen, so ein altes Waschbeib, dann ist es okay.
00:50:45: Das Einzige, was dann nicht fallen darf, ist der Satz, ist doch mal was, werde ich wahnsinnig.
00:50:51: Weil ich natürlich, wenn ich unterzuckert bin, dann noch mehr zutendiere.
00:50:57: Aber ansonsten ist das echt sportlich lösbar.
00:51:00: Ich will den Satz entspann dich doch mal.
00:51:02: In dem Moment ... noch viel schlimmer.
00:51:05: Ja, entspann dich doch mal.
00:51:08: Wenn ich es könnte, würde ich es.
00:51:09: Ja,
00:51:09: genau.
00:51:11: Aber auch da hilft, sich selber dann so verstehen zu lernen und vor allem das ganze mit Humor zu nehmen.
00:51:19: Weil, ja, dass man manchmal völlig bekloppt.
00:51:22: Vor sich hin, Schlawina, das ist doch auch menschlich.
00:51:25: Ja.
00:51:25: Mein Gott.
00:51:26: Weil das Leben halt auch ständig auf einen einprasselt.
00:51:30: Da kommt alles auf einmal.
00:51:31: Ja,
00:51:32: es ist halt auch kacke anstrengend, die Schuße.
00:51:35: Ist halt so.
00:51:37: Ja.
00:51:38: Also, ich bin guter Dinger.
00:51:40: Und ich auch ... Zum Schluss möchte ich dir noch mal sagen, wie stolz du auf dich sein kannst.
00:51:47: Ja.
00:51:48: Du bist diejenige in deiner Familie mütterlicherseits und väterlicherseits.
00:51:52: Das ist ja auch ein systemischer ... Kackhaufen, die den Kreislauf durchbrochen hat.
00:51:58: Ja.
00:51:59: Darüber bin ich auch sehr stolz.
00:52:00: Hut ab.
00:52:02: Ja.
00:52:03: Und das wird, glaube ich, nicht oft genug gefeiert.
00:52:06: Bei jedem Geburtstag, an dem du mütterlicherseits jetzt eh nicht mehr gratulieren müsstest, solltest, wolltest oder Weihnachten kannst du jedes Mal sagen, ich geile Sau.
00:52:19: Ich gehör nicht dazu.
00:52:20: Das mache ich jetzt zu meinen vortzehsten.
00:52:23: Ich
00:52:23: runde ja dieses Jahr in einem Monat und ich hab mir so ein Kröntchen und ein Schärfer geruht und jetzt werde ich zelebrieren.
00:52:29: Ja,
00:52:30: absolut.
00:52:31: Ja, schnapp dir ein paar Freunde und geh raus und feiert, dass du nicht mehr Teil des Systems bist.
00:52:38: Toll.
00:52:39: Ja, Hut ab.
00:52:43: Auch Weihnachten kann ich wieder genießen.
00:52:45: Also, ich konnte es dann lange Zeit nicht, weil meine Oma damals Anfang Dezember gestorben ist.
00:52:51: Mhm.
00:52:51: Genau in der Zeit, wo ja meine Mutter zum Entzug war, und ich in der Zeit wieder ins Heim gegangen bin.
00:52:58: Und ich hab's aber erst drei Wochen später erfahren.
00:53:01: Und das war ...
00:53:03: ein Schlag.
00:53:03: Das war ein Schlag.
00:53:04: Ja.
00:53:06: Auch wenn meine Oma getrunken hat.
00:53:07: Bei ihr hab ich mich immer willkommen geführt.
00:53:09: Mhm.
00:53:11: Ja.
00:53:13: Und die haben vergessen, es dir mitzuteilen?
00:53:16: Nee, sie wollten es mir nicht am Telefon sagen, keine Ahnung.
00:53:20: Mhm.
00:53:20: Ich dürfte auch damals auf die eine Beerdigung nicht, weil ich zu jung war.
00:53:27: Hä?
00:53:27: Zu jung, um den Turz zu verstehen.
00:53:29: Ich war neun.
00:53:30: So ein
00:53:30: Quatsch.
00:53:34: Okay.
00:53:35: Egal.
00:53:36: Das ist alles vorbei.
00:53:37: Aber auch in die Zukunft.
00:53:40: Und das Wichtigste ist, dass wir Menschen an der Seite haben, die uns verstehen.
00:53:46: Verstehen ist Liebe.
00:53:47: Nichts
00:53:48: anderes.
00:53:50: Vielen Dank, dass du da warst.
00:53:51: Vielen Dank, dass ich hier sein dürfte.
00:53:54: Das war Paula, lieben Lern und wenn ihr auch mal dabei sein wollt, schreibt mir am besten auf Instagram.
00:53:58: The Real Paula Lambert bin ich da.
00:53:59: und nicht vergessen, es gibt noch Plätze für meinen Retreat im März und ich gehe ab September auf Tour und freue mich euch dort zu sehen.
00:54:06: Viel Spaß!
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