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375 - Die Angst vor der Angst

Shownotes

Was passiert, wenn das ganze Leben aus Kontrolle besteht? Lisa hat vor allem ein Thema: Die Angst, Gefühle überhaupt wahrzunehmen. Das führt natürlich zu einer Kaskade unschöner Folgeerscheinungen und zu der großen Frage: Darf ich überhaupt geliebt werden?

Transkript anzeigen

00:00:00: Herzlich willkommen bei Paula Liebenlern.

00:00:01: Mein heutiger Gast ist Lisa.

00:00:03: Und es geht darum, wie es sich anfühlt, wenn man einfach nicht loslassen kann.

00:00:08: Ganz viel Spaß beim hören.

00:00:19: Herzlich willkommen, liebe Lisa.

00:00:22: Dankeschön.

00:00:23: Schön, dass du da bist.

00:00:24: Wir treffen uns heute an einem Tag, an dem eigentlich der schlimmste Sturm des Menschheitsgeschichte, so hat sich's angefühlt zumindest, stattfinden sollte und es ist einfach nichts.

00:00:34: Das stimmt.

00:00:35: Ich bin gut hergekommen.

00:00:35: Ja,

00:00:36: ich auch.

00:00:37: Ich war so schnell hier zehn Minuten.

00:00:38: Ich hatte zwei Autos um mich herum.

00:00:40: Na ja.

00:00:42: So, aber Sturmen.

00:00:43: Gibt es Sturme, über die wir sprechen wollen heute?

00:00:47: Ja, also bei mir ist es so das Problem, dass ich bis jetzt noch keine Beziehung hatte.

00:00:51: Also ich bin in den fünfundzwanzig, werde jetzt sechsundzwanzig.

00:00:53: Ich hatte mit siebzehnmal für drei Monate eine Beziehung, aber das zähl ich nicht so richtig dazu.

00:00:59: Und irgendwie komme ich immer so an diesen gleichen Punkt, dass es so die ersten ein, zwei Monate ganz schön wird oder schön ist.

00:01:05: Und danach ist es irgendwie vorbei.

00:01:07: Ich merke dann auch schnell, das Interesse ist weg.

00:01:09: Vielleicht auch von dem Mann ist auch das Interesse weg.

00:01:13: Und habe jetzt auch mal bei mir so gemerkt, dass ich halt einfach auch so Verlustängste entwickelt habe.

00:01:18: Und auch Bindungsängste auch irgendwie.

00:01:20: Also mir macht das auch Angst überhaupt.

00:01:21: eine andere Person an meiner Seite zu haben.

00:01:24: Und ja, das ist, glaube ich, so mein Thema heute.

00:01:26: Okay.

00:01:27: Also, wenn du sagst, nach ein, zwei Monaten merkst du, das ist einfach nicht mehr, das betrifft auch dich selbst.

00:01:33: Du hast dann verliessen, das Interesse.

00:01:36: Ja, ich merk schon relativ schnell beim ersten Treffen schon so, der hat die falschen Schuhe an, der lacht irgendwie komisch, und da ist mein Interesse schon fast am Anfang direkt weg.

00:01:45: Aber ich versuch dann, noch mal weiter die Treffen zu machen und zu schauen, ob da vielleicht noch mal irgendwie Interesse hochkommt, aber häufig leider auch nicht.

00:01:53: Was müsste passieren, damit Interesse bei dir geweckt wird?

00:01:58: Oder wie müsste der sein?

00:02:00: Also der Mann müsste auf jeden Fall größer als ich sein, also ... Auf jeden Fall so eins von achtzig bis eins neunzig groß.

00:02:07: Ähm, aussehen ist mir relativ egal tatsächlich.

00:02:11: Er muss halt einfach nur gepflegt sein, gut riechen.

00:02:14: Ähm, ja, empathisch sein, loyal.

00:02:18: Also eher so Charakterzüge, darauf achte ich dann schon mehr.

00:02:21: Ähm, ja, das ist, glaub ich, so das, was ich suche.

00:02:25: Und dennoch schrecken dich dann die falschen Schuhe ab.

00:02:28: Ja, dann irgendwie schon, dann geh ich doch irgendwie aufs Äußere.

00:02:32: Aber an sich, glaub ich, ist es vielleicht auch so ein Schutzmechanismus, dass mir dann halt viele Sachen auffallen, die mich vielleicht stören könnten, oder in dem Moment vielleicht ein bisschen

00:02:40: stören.

00:02:42: Ich glaub, mir macht es dann auch manchmal Angst, dass irgendwie der Mann dann vielleicht auch nicht so richtig Interesse zeigt, und dann ziehe ich mich auch sehr schnell zurück.

00:02:50: Also, ich steh da, glaub ich, dann auch nicht für mich ein und sag dann richtig, was ich in dem Moment möchte oder was ich auch suche, sondern ziehe dann schnell mich wieder zurück in meinen Häuschen, genau.

00:03:00: Mhm.

00:03:03: was natürlich häufig vorkommt, ist, wenn jemand kein sehr großes Selbstwertgefühl hat, was du eingangs gesagt hast, dass du vermutest, dass bei dir so ist, dass man unbewusst Leute sucht, die quasi in Gänsefüßchen besser sind als man selbst, damit man nach außen signalisieren kann.

00:03:24: Schau, dieser Premium-Mensch hat sich entschieden, mit mir Nulpe zusammen zu sein.

00:03:30: Darum kann ich so ... Schlimm gar nicht sein.

00:03:33: Ja, macht Sinn.

00:03:36: Genau.

00:03:36: Und dieses, um ein Premium-Mensch zu sein, musst du natürlich nicht nur die richtigen Schuhe tragen.

00:03:43: Schuhe sind, und das gebe ich total zu, Schuhe sind ein... großer Turn-off, wenn sie richtig hässlich sind.

00:03:51: Ja, das ist eher so ein Frauenthema.

00:03:53: Aber es werden ja nicht nur die Schuhe sein.

00:03:56: Wie er kaut, wie er rumguckt, wie sich die Augenbrau bewegt, was weiß ich.

00:04:00: Da findet man ja tausend kleine Dinge, die man doof finden kann.

00:04:04: Und also um dieser Premium-Mensch zu werden oder den Darstellen zu können, musst du ja im Grunde markelos sein.

00:04:11: Und es gibt es nicht.

00:04:13: Das ist das Problem.

00:04:14: So, beziehungsweise das Hauptproblem ist natürlich, dass du, aber da kommen wir gleich drauf, überhaupt so nach so jemandem suchst.

00:04:25: Das wichtigere Pferdchen aufzutäumen wäre natürlich, dass du, Lisa, verstehst, dass du so wie du bist, eine knorke Typ bist und natürlich einen gleichberechtigten, tollen Menschen an deiner Seite verdienst, der ... dir vielleicht da ein bisschen hilft, zu verstehen, wie toll du bist.

00:04:45: Ja, das ist, glaub ich, auch mein Problem, dass ich das einfach selbst nicht so wahrhaben kann auch.

00:04:50: Und ich glaub, ich möchte selbst auch mal so perfekt sein.

00:04:52: Also ich möchte selbst bei niemandem anecken, irgendwie nerven, komisch sein, hässlich sein, komisch angezogen sein.

00:05:00: Also, da versuch ich, glaub ich, auch mal selbst sozusagen eine perfekte Rolle zu spielen oder perfekt zu wirken.

00:05:06: Was sind denn, wenn du so im stillen Kämmerlein sitzt, dann richtig ... Dorfeneigenschaften, wo du denkst, das ist so erbärmlich.

00:05:15: Gut, dass es keiner richtig mitgekriegt hat heute.

00:05:20: Ich glaub, auf jeden Fall, soziale Kontakte zu halten.

00:05:24: Das ist bei mir ein ganz großes Problem, dass ich dann noch ... Ich bin zu Hause, nehme aber die Anrufe zum Beispiel nicht an.

00:05:30: Sag aber, dass ich grad mit jemand anderem telefoniert hab zum Beispiel.

00:05:33: Weil mich das einfach sehr stresst auch.

00:05:36: Was stresste ich daran?

00:05:38: Dass ich mir sozusagen die Zeit ... nehmen muss und jetzt nicht das machen kann, was ich sonst machen wollen würde.

00:05:45: Das wäre dann

00:05:46: aufräumenruhe oder meine Serie zu Ende schauen.

00:05:50: Ja, manchmal habe ich einfach keine Lust, mich auch zu unterhalten.

00:05:53: Es gibt keinen Unterhaltungszwang.

00:05:56: Deswegen, ja, ich genieße auch die Zeit halt, die ich alleine habe und brauche dann nicht die ganze Zeit irgendwie Kontakte auf jeden Fall auch.

00:06:05: Also das ist, glaube ich, einem Punkt, Der ist mir schon unangenehm, dass ich das auch nicht so offen kommunizieren kann.

00:06:10: Mein Freund gegenüber zum Beispiel.

00:06:13: Und sonst eine doofe Eigenschaft.

00:06:17: Was findest du peinlich an dir?

00:06:20: Oder was versuchst du zu verbergen?

00:06:25: Ich glaub schon, meine Gefühle, meine verletzliche Seite.

00:06:30: Also ich mach sehr viel immer mit mir selbst aus.

00:06:32: Also in meinem Kopf mach ich sehr viel aus.

00:06:35: trage auch meine Ängste, meine Trauer auch nicht so richtig nach außen.

00:06:40: Zu meiner Familie schon, mit meiner Mama und meinem Bruder red ich sehr, sehr viel.

00:06:43: Aber bei meinen Freunden hab ich da immer noch sehr große Probleme, sozusagen auch zu sagen, ich brauch jetzt Unterstützung, ich brauch dich jetzt bei mir irgendwie oder deine Hilfe.

00:06:53: Das kann ich halt nicht.

00:06:54: Da bin ich halt sehr in meinem Kopf gefangen.

00:06:56: Mhm.

00:06:57: Okay.

00:06:59: Aber ... Ist ja schon mal gut zu hören, dass du Freunde hast.

00:07:02: Ja, das auf jeden Fall.

00:07:03: Ich hab gute Freunde, ich bin auch sehr glücklich mit denen.

00:07:05: Ja,

00:07:06: okay.

00:07:07: Ist es ein häufig vorkommendes Phänomen, dass du nicht ans Telefon gehst?

00:07:10: Also, haben die Schwierigkeiten, dich zu erreichen?

00:07:13: Ja, schon.

00:07:14: Also, ich schreib sehr schnell zurück, auf jeden Fall, immer.

00:07:16: Aber das Telefonieren stört mich.

00:07:19: Okay, aber das ist ja so ein Gensieding, ne?

00:07:21: Die telefoniert einfach nicht gerne.

00:07:23: Ja,

00:07:23: dann nie meine Sprachnachricht.

00:07:24: Ja, genau.

00:07:24: Aber warum kannst du nicht einfach schreiben?

00:07:26: Ich hab grad keine Lust, zu telefonieren.

00:07:28: Oder ich räume hier gerade rum, ich meld mich später.

00:07:33: Ja, weil ich immer das Gefühl hab, dass ich dann vielleicht ... die andere Person dann auch verletze, wenn ich sozusagen sage, dass ich nicht mit ihr telefonieren möchte grad.

00:07:43: Oder dass die sich vor den Kopf gestoßen fühlen.

00:07:45: Einfach so ein schlechtes Gewissen, dass ich in dem Moment nicht für sie da bin.

00:07:50: Mhm.

00:07:52: Ja.

00:07:53: Na ja, in Notfällen wärst du sicher schon da.

00:07:55: Ja, da auf jeden Fall.

00:07:56: Also, dann bin ich auch da und ich höre auch gerne zu.

00:07:58: Und wenn wir uns sehen, also, ich find Treffen auch immer einfach mal viel angenehmer als zu telefonieren.

00:08:03: Also, da bin ich dann auch da auf jeden Fall.

00:08:06: Was denkst du, was die anderen denken, wenn du sagst, ich will nicht mit dir telefonieren?

00:08:14: Ja, dass ich grad keine Lust auf dir hab oder dass ... An sich ist es gar nicht Schlimmes, wenn ich das sage.

00:08:22: Weil meine Freunde sagen mir das auch manchmal, dass sie gerade keine Zeit haben, keine Lust haben.

00:08:26: Und

00:08:26: was passiert dann in dir, wenn die das sagen?

00:08:29: Das finde ich eigentlich in Ordnung auch.

00:08:31: Weil ich weiß, dass sie sich dann am nächsten Tag sonst melden.

00:08:34: Ja.

00:08:37: Ja.

00:08:38: Ja, das stimmt.

00:08:40: Manche Sachen muss man ein bisschen üben, einfach.

00:08:42: Also Konfrontationstherapie, wie eine Spinne anfassen, obwohl man panische Angst hat.

00:08:49: Das einfach mal probieren und feststellen, dass es ... Da ist so ein Brunnen, der gluckert ein bisschen.

00:08:55: Und feststellen, dass nichts Schlimmes passiert.

00:08:58: Aber interessant.

00:09:04: Wie bist du aufgewachsen?

00:09:07: Also ich hab ein Bruder.

00:09:08: Wir haben Altersunterschied von vier Jahren, meine Eltern hatten sich getrennt als

00:09:12: ... Erst größer?

00:09:12: Ja, genau.

00:09:14: Meine Eltern hatten sich getrennt, als ich zwei war.

00:09:17: Seitdem war meine Mama alleine erziehen.

00:09:19: Ich war dann mit meinem Bruder jedes zweite Wochenende bei meinem Vater auch.

00:09:22: Wir hatten telefonisch Kontakt am Anfang auch.

00:09:26: Ich wollte nie zu meinem Vater, das weiß ich auch.

00:09:28: Das hat mir meine Mama erzählt, dass ich nie zu meinem Vater wollte.

00:09:33: Meine Mama hat mich nicht gezwungen, aber sie hat schon ... darauf gedrängt, dass ich meinen Vater halt sehe, weil ihr war das halt sehr wichtig, dass ich halt auch eine Vaterrolle hab.

00:09:42: Und mein Vater hatte sich am Anfang jetzt auch nicht so richtig um uns gekümmert, also er war da, aber er hat, also ich hab das selbst dann irgendwann herausgefunden, dass er mit kleineren Kindern irgendwie nicht so richtig was anfangen konnte.

00:09:53: Und das hat sich dann irgendwie über die Zeit dann gelegt auch, dass wir einen besseren Kontakt hatten auch und dass ich auch lieber dann bei meinem Vater auch am Wochenende mal war, aber ... Ich war hauptsächlich bei meiner Mama und sie hat alles für uns gemacht.

00:10:06: Die war immer da, hat ihr ganzes Leben für uns aufgegeben.

00:10:12: Meine Kindheit war sonst sehr schön.

00:10:13: Mein Vater hatte schon eine cholerische Art, würde ich sagen.

00:10:18: Der ist sehr schnell an die Decke gegangen.

00:10:21: Ich hatte mich immer so gefühlt, als müsste ich auf Eierschein laufen, dass ich immer schaue, dass es ihm gut geht, dass ich ihn nicht nerfe.

00:10:27: Oder wenn mein Bruder Streit mit meinem Papa hatte, hab ich mich immer rausgenommen, zurückgenommen und wollte nicht auch noch Stress erzeugen.

00:10:35: Also, wie du's bei deinen Freunden heute machst.

00:10:38: Kein Stress erzeugen, indem du nicht sagst, du willst heute nicht.

00:10:42: Ja, ja, genau.

00:10:46: Also, ich hab auch nie richtig gestritten mit meinen Eltern.

00:10:48: Also, ich war immer sehr angepasst, würd ich sagen.

00:10:52: Ja, in meiner Grundschulzeit fing das Mobbing so ein bisschen an schon.

00:10:56: Das ist dann auch noch weitergegangen in die Weiterfindeschule.

00:10:58: Also, das war wegen meiner Figur, dass ich zu dick bin irgendwie.

00:11:02: Da kam dann auch mal so ein komischer Kommentar, dass ich so aussehe wie Zinni aus Marzahn.

00:11:08: Warst du früher pummlich als Kind?

00:11:10: Also, ich war nie so wie viele Kinder so sehr, sehr dünn.

00:11:15: Ich war immer schon so ein bisschen mehr.

00:11:17: Ich war bei nie richtig dick.

00:11:19: Also, ich hatte immer so ein bisschen Pausebäckchen.

00:11:21: Das war nie, dass ich dick war, aber ich hab mich schon immer unwohl gefühlt in meinem Körper.

00:11:25: Ich hab dann auch mit meiner Mama, hab ich zu ihr gesagt, ich möchte eine Diät anfangen, zur Ernährungsberatung, auch mit acht, neun Jahren schon.

00:11:34: Meine Mama hat immer gesagt, dass ich toll bin, so wie ich bin, hat mich da immer so unterstützt und hat dann auch gesagt, wenn du abnehmen möchtest, können wir gerne versuchen, ein bisschen gesünder uns zu ernähren oder auf ein paar Sachen zu verzichten.

00:11:46: Aber sie hat mir da in der Hinsicht Niedruck gemacht, auf jeden Fall.

00:11:49: Aber es hat mich schon immer mein Leben lang beschäftigt.

00:11:51: Also irgendwie war Mobbing immer so ein bisschen da.

00:11:54: Und dann, ja, mit fünfzehn bin ich ja noch magersüchtig geworden.

00:11:59: Und war dann auch, ja, vier Monate in der Klinik.

00:12:02: Es war auch sehr, ja, eng so.

00:12:04: Also ich hatte mich sehr abgemagert und hab dann danach auch noch zwei Jahre lang Therapie gemacht.

00:12:10: Aber das hat mich natürlich auch sehr geprägt.

00:12:11: Also irgendwie war ich, glaub ich, auch nie in der Pubertät so richtig.

00:12:14: Also ich war immer angepasst und ... Ja, wollte halt immer einen Leuten gefallen.

00:12:20: Ja, und also das war dann auch noch sozusagen meiner Kindheit, Jugend.

00:12:24: Und ja, dann ist mein Vater aus dem Jahr zwei Tausend Siebzen auch gestorben.

00:12:28: Und das hat natürlich dann auch noch mal sehr viel, glaube ich, bei mir selbst verändert.

00:12:33: Und

00:12:33: wie war denn euer Kontakt in den Teenager?

00:12:36: Ja.

00:12:38: Der war eigentlich ganz gut.

00:12:39: Wir haben telefoniert regelmäßig.

00:12:41: Ich war jedes zweite Wochenende immer noch da.

00:12:44: Irgendwann ist mein Bruder halt nicht mehr mit zu meinem Vater gekommen, weil er dann zu alt war oder keine Lust mehr hatte.

00:12:51: Aber es war trotzdem immer ein bisschen angespannt.

00:12:55: Wir wollten halt nie Streit erzeugen oder meinen Vater verärgern.

00:12:59: Das war immer so im Hinterkopf auch so im Urlaub.

00:13:02: Weiß ich auch noch, dass immer die ersten fünf Tage immer purer Stress war, weil mein Vater total gestresst war.

00:13:07: Und dann war immer die Stimmung total doof.

00:13:10: Weil wir dann natürlich auch wieder keine Stress machen wollten bei ihm.

00:13:13: Aber ja ...

00:13:15: Was ist passiert, wenn es Stress gab?

00:13:18: Dann wurde rumgeschrieben.

00:13:21: Und uns dann irgendwie so ein bisschen angemeckert.

00:13:24: Schlechte Laune.

00:13:25: Also nie geschlagen.

00:13:27: Aber das psychische einfach war schon da, dass wir ... Ja, uns dann eher immer zurückgezogen

00:13:33: haben.

00:13:34: War ihm das klar, denkst du?

00:13:37: Ich glaube schon, er hatte selbst auch Therapie mal gemacht, aber ich glaube, er konnte nicht so richtig aus seiner Rolle rauskommen.

00:13:45: Also, ich glaube, ihm war schon klar, dass er manchmal schwierig war, auch ein schwieriger Charakter, aber er konnte da nicht raus.

00:13:51: Ich habe auch mal mitbekommen, dass meine Eltern sich gestritten haben.

00:13:55: um Geld, um generell, um Weihnachten, um Geschenke.

00:13:59: Das hab ich halt auch leider immer mitbekommen.

00:14:02: Da wollte ich meine Mama dann immer einen Schutz nehmen von meinem Vater, weil ich halt wusste, wie er drauf ist.

00:14:08: Mhm.

00:14:08: Ja.

00:14:10: Okay, das klingt unheimlich viel ... Also, es klingt sehr nach Arbeit für dich, die ganze Zeit.

00:14:17: Ja, schon.

00:14:18: Ja, also, wir hätten nicht auffallen irgendwie,

00:14:20: dass

00:14:20: ich da mich einfach immer angepasst hab.

00:14:24: Also irgendwann musst du durch die Pubertät, das hilft nichts.

00:14:29: Mach's lieber jetzt als mit fünfzig.

00:14:31: Ja, das stimmt.

00:14:33: Das ist besser.

00:14:35: Ja.

00:14:37: Pubertät ist ja, und ich weiß aus Muttersicht, wie wahnsinnig anstrengend das ist und verletzend auch für die Mütter teilweise, weil man's nicht versteht, obwohl man's ja selber schon mal durchlebt hat, ein riesiger Abgrenzungsprozess.

00:14:53: wo man sagt, ich, ich, ich, ich, ich.

00:14:56: Und tatsächlich auch die eigenen Außengrenzen irgendwie wahrnimmt zum ersten Mal so richtig.

00:15:06: Also, als Kleinkind macht man diese Phasen ja auch immer wieder durch, aber Purgatät ist halt der große Cut.

00:15:12: Und der muss insofern passieren, das ist ein bisschen wie bei Fohlen, die nicht so richtig bei der Geburt gequetscht werden, die dann noch dieses ... Lähmende Hormonen in sich haben und gar nicht stehen können.

00:15:24: Da muss man die so mit Seilen binden und so eine Art Druckpunkttherapie machen, damit der Körper dieses Hormon ausspült.

00:15:32: Dann können sie aufwachen,

00:15:33: quasi.

00:15:35: Und das muss passieren.

00:15:39: Also die ... Das Wachwerden im Grunde.

00:15:44: Damit du weißt, wer du bist und sein kannst auch.

00:15:48: Ich glaub, damit hab ich generell für mich einzustehen oder auch Streit zu haben oder meinein zu sagen, das fällt mir jetzt auch schwer.

00:15:55: Ist doch total logisch.

00:15:56: Also, alles, was du erzählt hast, ist ja einen herumtappen, um die Bedürfnisse anderer Leute.

00:16:02: Ja, oder?

00:16:03: So.

00:16:04: Aber du kommst jetzt nicht so sehr darin vor in der Geschichte.

00:16:07: Also, das verschiedene Symptome entwickelt, als kleines Kind vielleicht ein bisschen zu viel gegessen, als mittleres Kind dann gar nichts mehr gegessen.

00:16:14: Aber es ist ja ... Die gleiche Münze, andere Seite.

00:16:19: Ja, das stimmt.

00:16:21: Hast du eine ungefähre Idee, wer du sein könntest?

00:16:27: Also dein echtes Du, wie sieht denn das aus?

00:16:33: Ich glaub schon, also ich hab eine verletzliche Seite auf jeden Fall auch und auch eine ruhigere Seite.

00:16:42: Also ich glaub, ich bin ... von Person aus jetzt nicht sehr extrovertiert, sondern er introvertiert und zieh mir dann auch eher die Energie, wenn ich alleine bin daraus.

00:16:52: Ja, wer bin ich sonst?

00:16:57: Also ich würde auch schon von mir behaupten, also mein inneres ich, also ich bin sehr empathisch, also ich kann gut zuhören und auch für meine Freunde da sein, würde ich sagen.

00:17:08: Ja, ich glaube, ich zeige halt einfach nur immer diese verletzliche Seite nicht oder diese traurige Seite auch nicht.

00:17:15: Ja, und spielt dann häufig auch eine Rolle.

00:17:19: Ja, ganz bestimmt.

00:17:21: Aber so gewohnt bist, du bist es so gelernt.

00:17:24: Du hast jetzt schon öfter gesagt, die traurige Seite, was betrauerst du?

00:17:30: Ich betraue schon noch den Tod von meinem Vater, auf jeden Fall.

00:17:34: Das lief bei uns alles ein bisschen schwierig und schnell alles ab, also innerhalb vom halben Jahr ist mein Vater gestorben an Krebs.

00:17:41: Und ich kann mich an die Zeit gar nicht mehr erinnern.

00:17:43: Ich hab davon, würd ich schon sagen, Trauma.

00:17:46: Ich weiß von der Zeit einfach fast gar nichts mehr, nur dass er dann irgendwann gestorben ist und hab dann aber direkt danach, sozusagen, einfach noch mal weitergemacht, hab mein Abi geschrieben, war zwei Wochen nicht in der Schule, danach bin ich noch mal wieder zur Schule gegangen und hab alles so weitergemacht.

00:18:00: Und da sind echt so ein paar Sachen, die, ja, die ich einfach sehr doll noch betraue und er fehlt mir schon in vielen Situationen auf jeden Fall auch.

00:18:09: Zwischendurch bin ich dann aber auch wieder sauer auf ihn.

00:18:12: Das hab ich diesen Trauerprozess irgendwie noch nicht so ganz beendet, würde ich sagen.

00:18:18: Also, da ist noch sehr viel in mir drin.

00:18:20: Und das merk ich dann noch immer, wenn immer die Jahreszeit kommt.

00:18:24: Also vom Todestag, das ist immer im Herbst.

00:18:26: Und da merk ich dann einfach auch direkt, dass meine Stimmung schlechter wird.

00:18:32: Ich kann solche Themen generell dann auch nicht so gut anhören von anderen Personen häufig.

00:18:36: Wenn da jemand irgendwie gestorben ist oder wenn die traurig sind, ja, kann ich das dann manchmal auch nicht so gut ab oder für die dann da sein, weil ich, glaub ich, noch selbst so viel Trauer in mir drin hab.

00:18:48: Ja.

00:18:49: Es gibt ja sogenannte Trauerbegleiter.

00:18:52: Das sind Leute, die im Wesentlichen darauf trainiert sind, zuzuhören und dich zu halten, ne?

00:19:01: So.

00:19:02: Und man glaubt ja immer, Trauer geht hauptsächlich, wenn die Person oder das Tier, das Lebewesen, stirbt und dann noch eine bestimmte Zeit danach, und dann ist es irgendwie vorbei.

00:19:14: Aber das stimmt ja nicht.

00:19:15: Also, Trauer kann sich über ein ganzes Leben ziehen, wenn man dieses Gefühlesabschieds nicht gut integriert.

00:19:24: Und ich würde dir schon raten, dich noch mal ganz bewusst in diesen Trauerprozess zu begeben.

00:19:31: Also ... vielleicht in einer Art Urlaubssituation oder so, dass du sagst, ich nehme mir jetzt bewusst Zeit oder vielleicht abends immer, keine Ahnung, dass du wirklich so ritualisierte Vorgänge oder die Zeit dafür nimmst, bewusst in dieses Gefühl reinzugehen.

00:19:53: Damit du das nicht immer wegschiebst, sondern auch spürst, wo du sitzt im Körper, was das mit dir macht, wie sich das anfühlt.

00:20:00: Du kannst auch aufschreiben, worüber du traurig bist, worüber du wütend bist, was du schön an ihm fannst, was du blöd an ihm fannst, was du ihm gerne erzählen würdest, wie erschrocken du warst, dass er plötzlich gestorben ist.

00:20:15: All das.

00:20:16: Da geht es, um darum, Gefühle wahrzunehmen.

00:20:20: Im Grunde.

00:20:22: Und zu verstehen, dass dieses eine Kapitel abgeschlossen ist und das Nächste beginnt.

00:20:28: Und das muss man aber bewusst machen.

00:20:30: Weil wenn man es nicht bewusst macht, frisst es so von innen wie so ein schwelendes Feuer.

00:20:37: Ja, das hatte ich auch schon gemerkt, dass ich einfach diese Trauer aber nicht zulassen kann.

00:20:42: sehr gut, da drinnen mich abzulenken und nicht daran zu denken und alles andere zu machen, weil ich so Angst hab vor diesen Gefühlen, die mich dann überkommen.

00:20:51: Also irgendwie, hab ich einfach so Angst davor, wie traurig ich dann doch wieder sein kann oder werde.

00:20:57: Was wäre denn schlimm, wenn du traurig wärst?

00:21:03: An sich ist daran nicht Schlimmes.

00:21:05: Außer, dass ich dann halt nicht glücklich sozusagen in dem Moment bin, dann vielleicht weine.

00:21:10: Ähm ... Ja, und alles sozusagen, dass dann alles vielleicht wieder realer wird, auch das sozusagen das zuzulassen, dass es wirklich passiert ist, dass ich traurig bin, dass er nicht mehr da ist und ja, das ist einfach zuzulassen.

00:21:26: Naja, es ist ja sowieso real.

00:21:29: Er wird ja nicht lebendig, wenn du nicht vernünftig trauerst.

00:21:32: Ja.

00:21:33: Darum kannst du hier sogar zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, indem du nämlich ... Deinen Freunden, zwei Dreien davon, sagst pass auf.

00:21:47: Folgendes ist mir jetzt klar geworden.

00:21:49: Ich bin sehr verletzlich und traurig, wie auch immer du es formulieren willst.

00:21:53: Vielleicht genauso.

00:21:54: Direkt ist immer am besten.

00:21:56: Und ich habe noch nicht immer meinen Vater getrauert.

00:22:01: oder diesen Verlust und überhaupt diese Entfremdung, die vielleicht stattgefunden hat und diese schwierige Kindheit, da hängt ja ganz viel mit dran.

00:22:10: Du trauerst ja nicht nur um deinen Vater, du trauerst auch um das Leben, was hätte sein können, um deines, um Seins, um die verpassten Chancen, um seine Abwesenheit, als du kleiner warst und so weiter.

00:22:26: Das ist ein sehr komplexes Ding.

00:22:27: Und sagst ... Ich möchte euch jetzt mal um was bitten.

00:22:31: Und zwar, dass ihr mir helft zu trauern.

00:22:36: Dies und das sind meine Schwierigkeiten dabei.

00:22:38: Ich tue mir total, es fällt mir ganz schwer, Gefühle zuzulassen.

00:22:42: Ich will das lieber weglächeln.

00:22:45: Aber jetzt möchte ich weinen.

00:22:47: Und dafür brauche ich jemanden.

00:22:49: Ja.

00:22:51: Es fällt mir, glaub ich, dann schwer auf jeden Fall.

00:22:52: Ja, hundertprozentig.

00:22:53: Genau.

00:22:54: Du kannst es auch in einem Brief schreiben.

00:22:57: Oder als WhatsApp.

00:22:59: Ja,

00:22:59: oder wie auch immer.

00:23:00: Wichtig ist, dass du es tust.

00:23:03: Ja, das habe ich auch gemerkt, dass es einfach noch nicht bearbeitet ist, richtig, dass er noch sehr viel gemacht werden muss, irgendwie.

00:23:11: Und das wiederum ist ja nur ein Symptom für das große Gänze.

00:23:15: Also, dasselbe Thema taucht herauf bei Beziehungsführung.

00:23:20: Dieses Ich darf nicht... in einer bestimmten Weise fühlen, zum Beispiel negative Gefühle haben, Verlustängste haben und so weiter.

00:23:27: Du bist sehr, sehr damit beschäftigt, all diese Gefühle unterm Deckel zu halten.

00:23:32: Und je mehr du das runterdrückst, desto größer wird natürlich der Druck in dir.

00:23:36: Und darum musst du das jetzt Stück für Stück, wie bei so einem Ballon, die Luft rauslassen.

00:23:43: Sonst fliegt dir irgendwann der Deckel

00:23:44: ab.

00:23:45: Das wird, glaub ich, hart an sein.

00:23:46: Nee,

00:23:47: das kommt ja nicht alles auf einmal raus.

00:23:49: Stück für Stück.

00:23:51: Okay.

00:23:53: Also gerade beim ... beim Dating, wenn du dich versuchst, auf einen anderen Menschen einzulassen, bleibt ja nichts anderes übrig, als du selbst zu sein.

00:24:03: Und zwar so echt wie möglich.

00:24:06: Nur dann kann sich jemand echtes auch an dich andocken.

00:24:09: Mhm.

00:24:10: Und wenn du aber sagst, diese und jene Teile von mir, die lehne ich total ab, zum Beispiel, dass ich traurig bin, dann werden die Leute ... ist schwer haben, richtig nah an dich ranzukommen.

00:24:25: Weil du dann die Betonmauern hoch fährst und dann rennt man dagegen und denkt, hallo, ich will doch rüber.

00:24:33: Nee, nee, nee, hier nicht.

00:24:36: Das ist kein ganzheitliches Erlebnis sozusagen.

00:24:40: Das hab ich auch schon mal gehört von einem Typen, dass ich irgendwie so wirklich wie ein Eisblock.

00:24:45: Also fand ich an sich auch ganz witzig, weil er hat das anscheinend gemerkt, dass ich so eine Mauer hab.

00:24:50: Ähm, die konnte ich aber bei ihm jetzt auch nicht irgendwie einbrechen oder für ihn.

00:24:54: Also es hat dann auch nicht gepasst, aber... Und

00:24:55: warum hat das nicht gepasst?

00:24:57: Wir waren dann doch irgendwie zu unterschiedlich.

00:24:59: Also es war dann, also auch von seiner Seite aus, von meiner Seite aus, haben wir... Wo

00:25:03: war die zu unterschiedlich?

00:25:05: Ich glaub von der Lebensart auch.

00:25:07: Also er war Barkeeper und ähm, das hat mich dann schon, glaub ich, also auch ein bisschen gestört.

00:25:11: Es war, glaub ich, nicht mein Leben einfach, sozusagen mit jemandem zusammen zu sein, der auch, also immer nur nachts arbeitet.

00:25:19: Und ja, es hat dann nicht so richtig gefunkt.

00:25:22: Ja.

00:25:23: Aber fand ich ganz witzig, dass er mich so irgendwie gegriffen hat und gemerkt hat, dass ich da irgendwie so eine Wand hochziehe immer.

00:25:30: Ja.

00:25:31: Ja.

00:25:33: Was ihr sicher gut hätte, wäre auch irgendwas mit dem Körper zu machen.

00:25:38: Mhm.

00:25:39: Ja.

00:25:40: Da darf ich auch sehr viel noch zu Struggle hinten, würde ich sagen.

00:25:43: Also, es ist immer besser.

00:25:45: Ich hatte jetzt nie wirklich wieder so einen richtigen Tiefpunkt.

00:25:49: Also, ich merk immer, wenn ich sehr großen Stress hab, dass ich dann meinen Essen reduziere, mehr Sport wieder mache und mich jeden Tag auf die Waagestelle.

00:25:57: Und ich denk, auch wenn ich in den Spiegel schaue, also immer, egal wie ich aussehe, dass ich zu dick bin.

00:26:02: Also, das denk ich jetzt auch noch.

00:26:03: Und irgendwie begleitet mich das, glaub ich, noch mein ganzes Leben lang.

00:26:07: Also, klar, man kann daran arbeiten und das vielleicht noch ein bisschen mehr wegkriegen.

00:26:11: Aber irgendwie ist das so in meinem Kopf drin verankert, dass es irgendwie nicht so richtig weggeht.

00:26:16: Ähm, das stimmt nicht.

00:26:19: Es gibt nur einen kniffligen Schritt dazwischen.

00:26:21: Und zwar jedes Mal, wenn du dieses Gefühl hast, ich muss jetzt weniger essen und so weiter mehr Sport machen, kannst du zu tausend Prozent sicher sein, dass du gerade versuchst, ein negatives Gefühl, was in dir hoch will oder sich zeigen will, dass du es unterdrückst.

00:26:42: Jedes Mal.

00:26:43: Und insofern besteht die Übung darin, schneller zu sein.

00:26:48: als dein Kopf.

00:26:50: In dem du bewusst übst, dich, also das schlechte Gefühl wahrzunehmen.

00:26:59: Und dann zu sagen, alles klar, ich fühle mich richtig scheiße.

00:27:01: Ich bin richtig gestresst.

00:27:02: Ich fühle mich wie die größte Loserin.

00:27:04: Ich fühle mich ungeliebt.

00:27:05: Ich fühle mich traurig, was auch immer.

00:27:08: Und dann sag ich ja hier gebetsmühlenartig im Podcast, einfach damit zu sitzen.

00:27:15: Es dauert nicht lange.

00:27:17: Wir reden hier von paar Minuten maximal, bis du verstehst, ach ja, es ist nur ein Gefühl, es tut mir nichts.

00:27:27: Subjektiv ist natürlich so, wenn du dich hässlich fühlst zum Beispiel, unattraktiv in irgendeiner Weise, dass das lebenszerstörend ist für dich.

00:27:38: Das ist ganz groß, jeder kann das sehen.

00:27:40: Du läufst durch die Straße und die Menschen fallen um vor Schreck.

00:27:45: In Wahrheit ist es nur ein Gefühl, was in dir ist.

00:27:49: das einfach nur sagt unsicherheit.

00:27:52: wie bin ich?

00:27:54: und dann wenn du dann nichts machen würdest nämlich nicht essen kontrollieren und so weiter würdest du irgendwann feststellen ja das ist da und ich verstehe jetzt auch wodurch es ausgelöst wurde.

00:28:05: zum beispiel jemand hat gesagt ich übernehme dass du kannst was nicht oder keine ahnung auf der arbeit Und das hat dann diese Kaskade an negative Emotionen bei dir ausgelöst.

00:28:17: Ich bin nichts wert.

00:28:18: Ich bin zu dick, zu doof, zu wenig liebenswert.

00:28:23: Blablabla.

00:28:25: Also muss ich im Außen etwas ändern.

00:28:28: Ich muss dünner sein.

00:28:30: Ich muss stärker sein oder muskulöser.

00:28:33: Ich muss noch mehr aufräumen.

00:28:37: Wahrscheinlich ist deine Wohnung auch spotless.

00:28:41: Bring mir Spaß auf zu räumen.

00:28:42: Das kann nicht mehr vorstellen.

00:28:44: Es kann auch ein Kontrollmechanismus sein, natürlich.

00:28:48: Also Stichwort OCD, dass man da fast eine bisschen eine Zwangsstörung hat.

00:28:53: Und dieses Chaos, was in einem selbst herrscht, im Äußeren sich nicht zeigen darf.

00:28:59: Also dass man sofort alles aufräumt, wegwischt, wie auch immer, Gläser direkt in die Spülmaschine.

00:29:06: Klingt das vertraut?

00:29:07: Ja, schon.

00:29:10: Ja, so bin ich auch auf jeden Fall.

00:29:11: Ja, wenn Gäste da sind, fällt mir das auch mal auf, dass ich das

00:29:16: sprach.

00:29:17: Ja, springst auf, tag weg damit, schnell wischen, alle Füße hoch.

00:29:20: Ich freute mal hier schnell durch.

00:29:24: Und das ist genau wie Magersucht ein Kompensationsmechanismus.

00:29:30: Alles, was du tust, von dem, was du mir jetzt erzählt hast, dient nur der einen Sache.

00:29:35: Du darfst ... Nicht fühlen.

00:29:38: Na?

00:29:40: So.

00:29:41: Das bedeutet, das Gegenmittel ist das maximale Gefühl.

00:29:45: Ja.

00:29:46: Ja.

00:29:47: Ja.

00:29:49: Ich weiß auch gar nicht so richtig, was mir da so Angst macht, irgendwie zu fühlen.

00:29:52: Aber es macht mir einfach totale Angst.

00:29:55: Also die Gefühle zuzulassen und auch die Hochkommenzulassen.

00:29:59: Also immer, wenn ich merke, da kommt ein Gefühl hoch, drücke ich es ganz schnell wieder runter und ja, macht dann was anderes.

00:30:06: Ja,

00:30:06: genau.

00:30:07: Genau.

00:30:08: Und da liegt der Schlüssel zu deiner Gesundwertung.

00:30:11: Genau da.

00:30:13: Das ist es.

00:30:14: Ja.

00:30:16: Und es gibt aber zum Glück zehn Trillionen Situationen, an denen du es üben kannst, jeden Tag.

00:30:24: Du musst nur ein bisschen aufmerksam sein.

00:30:26: Manchmal spürst du den Impuls stärker, z.B.

00:30:28: beim Daten, weil man natürlich da viel mehr aufgeladen, aber auch im Kleinen.

00:30:34: Also jedes Mal, wenn du aus meiner Sicht in das negativ verhalten fällst.

00:30:42: Putzen, nicht gegen Putzen, aber so.

00:30:44: Obsessiv putzen, nichts essen, zu viel Sport machen.

00:30:50: Versuch, reinzufühlen, was gerade vorher passiert ist, dass das ausgelöst hat.

00:30:54: Oder manchmal ist es auch nicht gerade vorher, sondern ein paar Stunden zurück.

00:30:58: Acht darauf, trainiere dich da.

00:30:59: Weil

00:31:01: du dann relativ schnell darauf kommen wirst, was für ein Muster du verfolgst.

00:31:05: Und du bist ja super jung, das ist das Gute daran.

00:31:08: Du musst dich jetzt nicht noch durch die Dreißige erschleppen und das mittragen, weißt du?

00:31:12: Ja, das will ich auch nicht.

00:31:13: Ne, genau.

00:31:14: Ja.

00:31:16: Okay, dann wird das eine Aufgabe sein.

00:31:19: Was sie gut täte, wäre laut singen.

00:31:22: Weil ich sehe, dein Unterkiefer ist unheimlich fest.

00:31:26: Du pressst die Lippen sowas von zusammen.

00:31:29: Ich möchte dir gerne die Backen schütteln.

00:31:32: Also, ja.

00:31:34: Ja, okay.

00:31:36: Das mache ich auch nicht so viel.

00:31:36: Hab ich früher mehr gemacht, aber irgendwie war es mir dann auch unangenehm, sozusagen in der Wohnung laut zu singen alleine.

00:31:42: Oder dachte ich, das ist ja dumm.

00:31:45: Ist das nicht?

00:31:47: Ich würde noch besser finden, wenn du mit anderen Leuten singen würdest, im Chor zum Beispiel.

00:31:52: Es gibt ja genug Kneipenköre und so Spaßköre.

00:31:55: Muss ja jetzt nicht die Philharmonie sein, weißt du?

00:31:58: Einfach nur rumgrüllen oder zu singen lassen gehen.

00:32:02: Das gibt's in Berlin.

00:32:03: Das gibt's, glaub ich, deutschlandweit inzwischen.

00:32:06: So Chor-Karaoke.

00:32:07: Ah,

00:32:07: okay.

00:32:08: Ist

00:32:08: ganz toll.

00:32:08: Hm,

00:32:09: ja.

00:32:10: Sehr erhebnes Erlebnis.

00:32:12: Mhm.

00:32:14: Wo ständig locker werden.

00:32:15: Ja, ne?

00:32:16: Ja, ich merke das auch immer, dass ich, wenn ich auch merke halt das Gefühl komme, dass ich dann einfach so angespannt, also ich merke mal, so mein Körper verkrampft sich da auch total.

00:32:24: Ja, und dass ich einfach angespannt bin und dass dann irgendwie auch nicht so loslassen kann in dem Moment.

00:32:29: Hast du schon mal Sex gehabt?

00:32:31: Ja.

00:32:32: Wie ist es da?

00:32:33: Weil ich kann mir das nur als unheimlich anstrengend für dich vorstellen.

00:32:38: Also ich muss sagen, ich habe mich, ja, seitdem ich achtzehn bin, sehr gut ausgedebt, würde ich sagen.

00:32:43: Also

00:32:44: kannst du, ja, Masse ist nicht gleich loslassen.

00:32:48: Also kannst du da empfangen, dass du dich zum Beispiel wirklich einfach maximal verwöhnen lässt.

00:32:56: Nie.

00:32:56: Das nicht.

00:32:57: Das ist mir dann auch unangenehm.

00:32:59: Oder ich gebe dann, glaub ich, in dem Moment auch lieber als ... So,

00:33:01: natürlich.

00:33:02: Ja, genau.

00:33:04: Du kriegst wahrscheinlich auch ganz tolle Bewertungen.

00:33:08: Aber es geht ja um dich.

00:33:11: Dass du empfangen lernst.

00:33:13: Ja.

00:33:14: Auch da solltest du Lust auf Sex haben.

00:33:16: Und irgendjemanden haben, dem du anrufen könntest zu diesem Zwecke, keine Ahnung.

00:33:21: Oder jemanden kennenlernen.

00:33:23: Für genau das.

00:33:25: Wäre eine schöne Übung für dich zu sagen, pass auf Florian, wie auch immer.

00:33:31: Das und das ist mein Thema.

00:33:32: Ich kann wahnsinnig schlecht loslassen.

00:33:34: Ich kann wahnsinnig schlecht mich hingeben.

00:33:37: Ich würde das gerne mit dir üben.

00:33:40: Hat ganz viele Vorteile unter anderem, dass du keinen Finger krümmen musst.

00:33:46: Und dass du ganz doll mit dir in Kontakt.

00:33:48: Weil du dann nämlich merkst, wie du denkst, ich muss aufspringen.

00:33:52: Ich muss doch an ihm irgendwas vornehmen, damit das gut wird.

00:33:56: Ich kann nicht hier einfach rumliegen oder sitzen oder was auch immer.

00:33:59: Und das genießen, das geht doch nicht.

00:34:02: Wo ist meine Leistung in der Geschichte?

00:34:04: Weißt du?

00:34:04: Ja.

00:34:05: Und ... ja.

00:34:08: Okay.

00:34:09: Wieder ein Übungsfeld, weißt du?

00:34:11: Oder wenn deine Freundin Sandra ... Gibt's in deiner Generation wahrscheinlich gar nicht mal Sandras?

00:34:17: Deine Freundin Anna ruft dich an und sagt, weißt du was, ich hab ganz viel Kohlrabi gekauft.

00:34:23: Ich möchte heute für dich kochen.

00:34:28: Dann kannst du wahrscheinlich dich nicht einfach in Sessel setzen und sagen, alles klar, koch mal, bin gespannt, was du machst.

00:34:35: Sondern du wirst wahrscheinlich, was kann ich machen?

00:34:37: Soll ich dir Müll runterbringen?

00:34:38: Soll ich schneiden?

00:34:38: Soll ich das schälen?

00:34:40: Wie wär's, wenn ich schon mal den Tisch stecke, oder?

00:34:42: Ja, also bei guten Freundinnen kann ich's ablegen, aber bei sozusagen Freunden, die nicht so krass eng sind, da bin ich dann auch so.

00:34:51: Übt das.

00:34:53: Und wenn die sagen, was ist mit dir, sonst bist du doch die, die die Kartoffeln schält, dann sagst du, nee, ich muss jetzt üben, auch mal die Messer liegen zu lassen.

00:35:04: Und wenn die sagen ... Ist das für ein Quatsch?

00:35:07: und sagst du, Paula hat's befohlen.

00:35:09: Okay, dann sag ich das.

00:35:11: Kannst dich immer hinter mir verstecken.

00:35:13: Aber einfach mal in solchen Situationen gucken, was in dir passiert, nämlich dieser Widerstand dagegen, dass du jetzt einfach mal die Füßchen hochlegst, der wird massiv sein.

00:35:25: Ja, denke ich auch.

00:35:26: Ja.

00:35:27: Und dann sagst du, ich hab das aber verdient, ich darf auch Pause machen.

00:35:32: Ich muss mir die Liebe nicht erleisten.

00:35:36: Ja.

00:35:37: Ja?

00:35:37: Ja.

00:35:38: Ich darf Liebe empfangen.

00:35:39: Die gibt's nämlich ganz umsonst.

00:35:41: Hm.

00:35:42: Kostet nix.

00:35:43: Darf auch nichts kosten.

00:35:45: Sonst ist sie nix wert.

00:35:46: Hm.

00:35:48: Ja.

00:35:51: Ja.

00:35:51: Auch bei dem Sexthema auch, dass ich halt sozusagen schlecht empfangen kann, da ist bei mir aber auch einfach immer noch das Problem auch mit meinem Körper, dass ich denke, dass ich irgendwie ... Dass mein Gesicht hässlich ist, dass mein Körper irgendwie zu dick ist, dass da die Speckfeite dann da rausquillt, irgendwie so.

00:36:10: Ich muss ganz kurz was sagen, ihr seht ja Lisa nicht.

00:36:14: Lisa ist sehr, sehr schlank.

00:36:18: Also, das schmälert jetzt nicht.

00:36:19: Deine Wahrnehmung von dir ist eine völlig andere, aber nur, dass ihr ein Bild von ihr habt.

00:36:23: Lisa ist groß und sehr, sehr schlank.

00:36:25: So, okay, weiter.

00:36:28: Ja, trotzdem kann ich das irgendwie dann nicht loslassen auch in dem Moment.

00:36:30: Da ist mein Kopf dann einfach auch ... die ganze Zeit in den Gedanken, dass das einfach nicht gut aussieht oder dass ich nicht gut aussehe.

00:36:37: Und das kann ich irgendwie auch dann in dem Moment nicht loslassen.

00:36:39: Und ich glaub, das ist auch noch ein Punkt, weswegen ich dann halt auch das nicht so gut empfangen kann.

00:36:45: Dass ich dann halt einfach nicht locker bin und loslassen kann.

00:36:49: Genau.

00:36:49: Aber auch das kannst du nutzen für dich.

00:36:53: Also A, wenn gerade jemand in dir drin steckt, ist es sehr wahrscheinlich, dass er das schon ganz gut findet.

00:37:01: Und das ... Kann ich dir garantieren, weil's dir und mir auch so geht, während des Sexes denkst du nicht die ganze Zeit darüber nach, wie der andere aussieht.

00:37:12: Nee, das stimmt.

00:37:13: Null, gar nicht.

00:37:16: Und umgekehrt ist eben auch so.

00:37:18: Egal, sei es drum, es geht ja um dich.

00:37:22: Nimm das wahr, dass du dich jetzt gerade hässlich fühlst.

00:37:24: Versuch das nicht wegzudringen.

00:37:26: Es ist ja so, dass du dich so fühlst.

00:37:30: Und dann kannst du vielleicht spüren, dass das wirklich nur ein Gefühl oder ein Gedanke ist und dass er auch weitergehen darf.

00:37:39: Weil du ja jetzt gerade keine Zeit dafür hast, dich mit deinem Äußeren zu beschäftigen, weil du gerade empfangen übst.

00:37:46: Ja.

00:37:46: Weißt du?

00:37:47: Und die Leute denken immer, das ist ein stundenlanger Vorgang.

00:37:50: Es handelt sich bei solchen Gedanken und den Kompensationen daraus.

00:37:55: Nämlich, lass mich lieber nach oben, dann sehe ich besser aus oder was weiß ich, es wäre auch eine Kompensation.

00:38:00: Also so ein wegschiebenes Gefühl.

00:38:04: Das sind ja nur Sekunden.

00:38:06: Und es geht darum, diesen Zeitraum zu nutzen, um das zu fühlen und nicht in die Aktion zu gehen.

00:38:14: Easy.

00:38:16: Ja,

00:38:16: wenn du das ein paar mal übst, tausendmal, zweitausendmal, wie auch immer, einen kleinen Ding wirst du irgendwann merken, also ich hab's ja schon ewig nicht gemacht.

00:38:25: Wie krass ist das denn?

00:38:27: Ja?

00:38:28: Und gerade beim Sex, weil man da sich natürlich im wahrsten Sinne des Wortes so, ähm, ja, äh, mir fällt nur ein englisches Wort dafür, also exposed fühlt.

00:38:42: Also, was ausgeliefert ist, ist es nicht, was ich meine, sondern so ... Nackend dahin gelegt halt.

00:38:49: Ist das natürlich entblöst?

00:38:51: Wäre das das richtige Wort?

00:38:52: Wie auch immer.

00:38:53: Also ja, entblöst eigentlich.

00:38:54: Aber gerade da kann man das ganz toll erarbeiten, wenn man jemanden hat, mit dem man so ein vertrauensvolles, fast kumpelhaftes Verhältnis hat.

00:39:05: Darum bin ich in solchen Dingen ... ein großer Fan von so ... fuck body sagt man inzwischen gar nicht mehr.

00:39:12: Das heißt immer nur Freundschaft plus.

00:39:14: Aber Freundschaft plus ist ... Doof, weil da gibts immer Trouble mit der Freundschaft.

00:39:18: Fuck Body ist viel, viel besser.

00:39:21: Jemand, wo man wirklich nur sagt, lass uns nur Sex haben.

00:39:25: Die sind rar und schwer zu finden.

00:39:28: Weil sonst mischen sich immer Gefühle dazwischen und so weiter.

00:39:31: Aber wenn man einen guten Fuck Body hat, ist das Premium.

00:39:35: Ja, stimmt.

00:39:35: Und mit dem könnte man sagen, pass auf Ernesto.

00:39:40: Dies, das ist das Problem, das üben wir heute.

00:39:42: Wir treffen uns um fünfzehn Uhr bei mir.

00:39:45: Und dann wird Sex gehabt.

00:39:48: Okay.

00:39:49: Nee, aber dass du wirklich dann auch ... Das ist ... Ja, da musst du schon wirklich supertollen Fuckbody finden.

00:39:57: Aber wenn du in der Lage wärst zu sagen, jetzt fühle ich mich gerade richtig hässlich, der muss dazu gar nicht sagen, nur dass du es lauter aussprechen kannst.

00:40:04: Oder jetzt merke ich, wie ich denke, ich ... sollte aber bei dir Oralverkehr machen, nicht umgekehrt.

00:40:10: Jetzt merke ich dies, das wäre natürlich irre nervig, aber grundsätzlich, das wäre toll.

00:40:14: Weil du dir es dann noch mal ins Bewusstsein rufen könntest und sagen kannst, ah ja, nee, stimmt ja nicht, mein Job ist jetzt hier zu empfangen.

00:40:21: Die göttliche Königin, die empfängt, weißt du?

00:40:27: Das wär's.

00:40:29: Okay,

00:40:30: das

00:40:30: ist ein Schritt.

00:40:31: werde ich einen Angriff nehmen.

00:40:32: Genau,

00:40:32: aber du bist fünfundzwanzig.

00:40:34: Du bist ein Baby noch.

00:40:35: Das ist das Gute daran.

00:40:37: Das Leben liegt ja noch vor dir.

00:40:39: Und wenn du das jetzt solide durchziehst und wirklich, du wirst natürlich auch Rückfälle haben und so weiter, das ist völlig logisch für viele, viele Jahre.

00:40:49: Aber wenn du das jetzt wirklich übst, dann wird das sehr, sehr schnell, sehr, sehr, sehr viel besser.

00:40:56: Und wirklich vertraue dich deinen Freunden und Freundinnen an und sag, Es gibt einen Teil von mir, den hab ich immer für euch verborgen.

00:41:05: Aber der möchte jetzt raus.

00:41:08: Mhm.

00:41:08: Ja.

00:41:09: Ja.

00:41:10: Wirklich die ganze Heilung, die wir alle durchmachen, basiert auf diesem einen Schritt, nämlich Gefühle negativer Natur, nicht wegzudrücken, sondern zu fühlen und zuzulassen.

00:41:23: Das ist genau das, was ich in meinen Retreats immer übe.

00:41:25: Bis zum Erbrechen mit den Leuten.

00:41:27: Und danach wird alles besser.

00:41:29: Tausend Mal versprochen.

00:41:32: Okay.

00:41:33: Ja, ja.

00:41:35: Weil du eben ein echter Mensch sein kannst endlich.

00:41:39: Ja, das vermisse ich irgendwie auch so, dass ich einfach so unbeschwert echt sein kann und sozusagen halt wirklich mir einfach keine Gedanken machen, wie ich wirke, wie ich aussehe, ob ich jetzt gut aussehe oder ja generell, ob mein Charakter eigentlich auch so in Ordnung ist und ob ich witzig bin.

00:41:54: Ja.

00:41:55: Angstfrei.

00:41:57: Angstfrei du.

00:41:58: Ja, ja.

00:42:00: Stimmt.

00:42:00: Genau.

00:42:01: Und die Außenwahrnehmung der Leute auf dich ist sicher völlig andere, als du auf dich selbst hast.

00:42:08: Darum ist so wichtig, sich mit den Leuten auszutauschen.

00:42:12: Und also ist jetzt natürlich auch so eine Altersgeschichte bei mir, aber ich bin gar nicht mehr daran interessiert, mit Leuten mich zu umgeben, mit denen ich nicht tief sprechen kann.

00:42:25: Und ehrlich.

00:42:26: Ja.

00:42:28: Und so sortiert sich das aus.

00:42:29: Das wollte ich vorhin sagen, genau das besondere oder schwierige an Freundschaften ist, dass sie sich manchmal an eben diese ungeheilte Version andocken, weil es für sie bequem ist.

00:42:44: Lisa, die... im Grunde so ein Servicecharakter hat.

00:42:47: Lisa, die immer versucht, gut drauf zu sein, die zwar manchmal nicht ans Telefon geht, aber die einem dann sogar noch hinterherräumt, keine Ahnung, ich bin jetzt rum.

00:42:58: Und wenn man sich bewegt und weiterentwickelt, dann passt das für manche Leute nicht.

00:43:03: Nur, dass du drauf vorbereitet bist.

00:43:05: Das sind aber Freundschaften, die du dann sowieso nicht brauchen kannst.

00:43:08: Weil du bist auf der Suche nach der Echtheit.

00:43:11: Ja, das stimmt.

00:43:12: Ja.

00:43:13: Ich hab halt nur auch mit meinen Freundschaften jetzt auch gemerkt, mir fällt das Thema Streiten ja auch sehr, sehr schwer oder generell für mich einzustehen.

00:43:20: Und bei einer Freundschaft hab ich auch letztes Jahr zum Beispiel auch eine Sache gesagt, die mich halt total gestört hatte.

00:43:26: Und daraus ist so ein ganz, ganz großes Ding entstanden, dass mir dann auch wieder Sachen vorgeworfen worden sind.

00:43:32: Und ich dachte mir in dem Moment so, ich hab doch jetzt grad was angesprochen, was mich gestört hat.

00:43:36: Und das, was dann von anderen Personen gekommen ist, war aus der Vergangenheit sozusagen.

00:43:42: irgendwie wenn ich versuche sozusagen zu streiten oder für mich einzustehen, entsteht dann immer was größeres und ich glaube dadurch habe ich auch mehr die Angst irgendwie entwickelt sozusagen, ja, zu streiten oder meine Meinung dann zu sagen, weil dann immer mehr sozusagen dann nochmal kommt.

00:43:57: Also erstens, die Leute haben Recht darauf sich zu verteidigen.

00:44:01: Die dürfen auch unfair sein.

00:44:03: Das ist deren Entscheidung.

00:44:05: Die dürfen auch richtige doofe Quatsch-Argumente vorbringen.

00:44:10: Ist deren Sache.

00:44:11: Es geht nur darum, dass du es tust.

00:44:15: Und richtig streiten ist eine große Kunst, weil man argumentativ bei sich bleiben muss.

00:44:23: Dein Verhalten hat mich verletzt, nicht du dumme Sau, immer kommst du zu spät oder was weiß ich.

00:44:29: Aber es ist wichtig, das zu lernen.

00:44:32: Und es ist aber auch wichtig, auszuhalten, dass die Leute eine völlig andere Meinung haben.

00:44:36: Das ist okay.

00:44:38: Die dürfen dich durften.

00:44:40: Und du darfst sie durften.

00:44:41: Das ist Teil der menschlichen Erfahrung.

00:44:44: Also du musst dich auch lösen langfristig von diesem Bedürfnis, dass alles immer friedlich ist.

00:44:52: Es ist ja, wie du Eingangs erzählt hast, auch logisch, woher es kommt.

00:44:56: Diese Angst, dass dein Vater plötzlich lospoltert, die ist ja keine Realität mehr.

00:45:03: Das ist eine Erfahrung, die ganz tief in dir sitzt.

00:45:06: Aber die wird nicht mehr wahr.

00:45:09: Ja.

00:45:09: Und die darf auch nicht mehr wahr werden.

00:45:12: Du bist genug angeschrien worden und es reicht jetzt auch.

00:45:14: Also du darfst ja auch keinen Partner suchen, der dich anschreit.

00:45:18: Das geht nicht.

00:45:19: Nee, das möcht ihr auf keinen Fall.

00:45:20: Genau.

00:45:22: Ja.

00:45:22: Sobald es jemand macht, ist es gegessen, die Sache.

00:45:26: Aber was du üben kannst, ist Konflikte austragen.

00:45:32: Das musst du, weil das Leben geht nicht ohne Konflikte.

00:45:35: Und man muss manchmal sagen, das finde ich doof.

00:45:37: Mhm.

00:45:38: Oder das hat mich verletzt.

00:45:39: Sonst kommt man nicht weiter.

00:45:41: Ja, das hab ich auch gemerkt, dass ich das halt in Freundschaften auch nicht schaffe, dann immer.

00:45:46: Noch

00:45:47: nicht.

00:45:48: Noch nicht.

00:45:49: Genau.

00:45:49: Aber das kann man zum Beispiel auch sagen.

00:45:52: Nehmen wir an, deine Freundin benimmt sich irgendwie doof, du bist sehr verletzt.

00:45:56: Dann kannst du auch sagen, anstatt ihr zu sagen, was dich verletzt hat, zu sagen, eigentlich müsste ich jetzt mit dir streiten, aber ich kann das leider nicht.

00:46:06: Das reicht schon, um ins Gespräch zu kommen.

00:46:08: Okay.

00:46:09: Ja,

00:46:09: weißt du?

00:46:10: Mhm.

00:46:12: Es geht nur darum, das Thema quasi auf den Tisch zu legen.

00:46:16: Wie man das macht, ist egal.

00:46:17: Ja.

00:46:18: Okay.

00:46:19: Und die Leute dürfen halt nicht persönlich werden, ne?

00:46:21: Aber deine Freunde sind auch jung.

00:46:24: Ihr seid noch in einem Alter, wo man das noch lernt.

00:46:27: Manche Erwachsenen lernen das nie.

00:46:28: Aber ich hab große Hoffnung für deine Generation.

00:46:32: Ja, ich auch.

00:46:34: Aber man muss es üben.

00:46:35: Das ist nichts.

00:46:36: Weil dieses früher war es halt immer persönlich und auch lebensbedrohlich für dich.

00:46:41: Das waren ja die Versorger.

00:46:44: Von denen warst du abhängig.

00:46:45: Aber das ist jetzt nicht mehr so.

00:46:46: Du bist deine eigene Versorgerin.

00:46:48: Darum ist für dich wurscht, ob die anderen Rumpoltern oder nicht.

00:46:53: Es geht um deinen Standpunkt.

00:46:54: Ja, okay.

00:46:57: Das will ich auch machen.

00:46:58: Keine Angst.

00:46:59: Ich glaube, keine Angst.

00:47:00: Das ist ein gutes Motto.

00:47:02: Das kannst du ja aufs Map schreiben.

00:47:04: Mhm.

00:47:04: Ja, ich hab vor vielen Sachen manchmal Angst.

00:47:06: Ja.

00:47:07: Ja.

00:47:09: Ja, okay.

00:47:10: Aber auch Angst ist halt nur ein Gefühl, ne?

00:47:12: Das kann ja auch nichts machen.

00:47:14: Ist einfach nur da.

00:47:14: Mhm.

00:47:17: Ja, irgendwie hatte ich auch anfangs noch gesagt, dass ich so diese große Verlustangst auch hab.

00:47:22: Ich weiß nicht, wie ich sowas irgendwie bearbeiten könnte oder kann.

00:47:26: Weil irgendwie ... Ich hab immer Angst, dass irgendwelchen Menschen was in meinem Umfeld passiert.

00:47:30: Vor allen Dingen meiner Mama und meinem Bruder.

00:47:33: Weil mein Bruder hatte auch Krebs zweimal.

00:47:36: Und das war dann natürlich auch noch mal ... Kann dann auch noch mal oben drauf.

00:47:40: Dadurch hat sich meine Verlustangst einfach bei ... Für Personen, die ich liebe, die ich gerne mag, einfach noch mal krass verstärkt.

00:47:47: Und das merke ich, also merke ich auch, wenn ich Männer kennenlerne, irgendwas spielt er auch, glaub ich, immer ein bisschen mit.

00:47:54: Ja, dass du denkst, nicht zu tief einsteigen, weil er könnte ja sterben.

00:47:58: Ja,

00:47:59: er könnte weg sein dann.

00:48:00: Ja, genau.

00:48:05: Naja, im Grunde ist es das gleiche Thema.

00:48:08: Du musst auch anerkennen, dass es Abschiede geben wird im Leben.

00:48:14: Ich glaube, dass es mit der Trauerarbeit geringer wird und vor allen Dingen mit deinem Selbstwertgefühl.

00:48:22: Es spielt sicher eine Rolle, dass du glaubst, du bist es eigentlich nicht wert, dass sowieso jemand bei dir bleiben sollte.

00:48:29: Warum auch?

00:48:31: Und sobald du daran gearbeitet hast, wird diese Verlustangst weniger und weniger und weniger.

00:48:38: Darfst aber auch nicht unterschätzen, dass es natürlich eine traumatische Erfahrung ist, wenn dein Bruder mit dem Tode bedroht ist.

00:48:46: Also, das ist nichts Kleines.

00:48:48: Ja, auf jeden Fall.

00:48:50: Aber es ist auch nichts, woran du etwas ändern kannst.

00:48:54: Und das Gute und das Schlechte des Lebens so ... Anzunehmen ist, glaube ich, eine wichtige Lektion.

00:49:03: Ja, das fällt mir schwer, das Leben jetzt gerade so anzunehmen.

00:49:08: Ja, klar.

00:49:09: Kontrolle ist dein Schiffchen, auf dem du reitest.

00:49:13: Das fährt aber, also schrappt schon über Grund, ist immer so.

00:49:18: Irgendwann kommt der Stein, der dann den Bug aufreißt.

00:49:22: Okay.

00:49:24: Kontrolle loslassen und dir immer wieder sagen, es gibt eigentlich nichts, bevor du Angst haben musst.

00:49:33: Du darfst Angst haben.

00:49:35: Aber die Dinge, die du verändern könntest, die kannst du verändern und alle anderen sowieso nicht.

00:49:43: Das ist dann Energieverschwindung.

00:49:45: Also du wirst nicht verändern können, ob deinem Bruder oder irgendjemand stirbt.

00:49:51: Ja, leider nicht.

00:49:51: Nee, leider nicht.

00:49:53: Darum ist so wichtig, dass du diesen Trauerprozess noch mal wirklich durchfühlst.

00:50:01: Ja, das hab ich mir jetzt auch für dieses Jahr, letztes Jahr, eigentlich vorgenommen, dass ich das irgendwie mal bearbeite, auf jeden Fall.

00:50:07: Abschied und Neubeginn sind Teil des Lebens.

00:50:12: Ja.

00:50:14: Okay.

00:50:15: Betrifft

00:50:15: auch Beziehung.

00:50:19: Also, eigentlich ist alles eins.

00:50:21: Ja, ich merk's auch,

00:50:21: das

00:50:22: rastet alles so ein.

00:50:23: Genau.

00:50:23: Es ist so ein ... Wie heißt dieser District Nine?

00:50:28: Nee, Quatsch, das war ein anderer Film.

00:50:31: Wie heißt dieser Film mit Matt Damon, wo sie da dieses große Rad am Himmel bauen, wo die Reichen hin dürfen?

00:50:38: Die hab ich nicht geschaut.

00:50:39: Und die anderen

00:50:40: verranzen so auf der Erde in Müll und allem, was die Menschheit so hinterlassen hat.

00:50:45: So ein Rad ist das.

00:50:47: Taktaktaktakt, passt alles ineinander.

00:50:50: Also die, das eine bedingt das andere.

00:50:53: Was gut ist.

00:50:55: Eine Baustelle, nicht zehn.

00:50:57: Das stimmt.

00:50:59: Hast du dir noch irgendwie so Tipps, wie man beim Daten sozusagen, worauf man da achten könnte, da den richtigen auszuwählen oder die falschen auszusortieren irgendwie?

00:51:10: Also erstens glauben, was die Leute einem schreiben oder sagen.

00:51:15: Zweitens ehrlich sein, mit dem, wer man selber ist.

00:51:18: Und drittens setzt bei dir ein bisschen schwierig, weil du da noch nicht so firm bist, aber aufs Bauchgefühl hören.

00:51:28: Und das könntest du noch leicht verwechseln und das dann benutzen als Ausrede.

00:51:32: Darum die ersten zwei auf alle Fälle und eher darauf achten, ob die Wertvorstellungen stimmen und ob der damit umgehen kann, wenn du ehrlich bist, wer du bist.

00:51:46: Das kann man relativ schnell aussortieren.

00:51:49: Und in Berlin ist halt nochmal ein besonderes Pflaster, weil die Leute einfach speziell sind.

00:51:55: Ja,

00:51:55: das habe ich auch gemerkt, bei den Dating-Plattformen.

00:51:59: Also, im Grunde brauchst du einen sehr, sehr netten Menschen einfach.

00:52:03: Ja, mir so einen suche ich auch.

00:52:05: Einfach einen netten Menschen, der gut zu

00:52:07: mir ist

00:52:07: und auch zu anderen Menschen.

00:52:09: Und vielleicht bist du ein bisschen toleranter mit den Schuhen.

00:52:13: Ja, das stimmt.

00:52:14: Was wäre ein Schuh, die dich abschrecken würden?

00:52:16: Wanderschuhe.

00:52:18: Ja, vielleicht wandert der gerne.

00:52:19: Dann passt das, glaub ich, aber nicht

00:52:21: bei uns.

00:52:21: Wann hast du nicht gerne?

00:52:23: Nee, nicht so richtig.

00:52:24: Dann geh ich dir bei Joggen.

00:52:26: Aber Wandern ist nicht so meins.

00:52:28: Ist ja wie Joggen nur langsamer.

00:52:31: Ja, das Langsame, das find ich dann langweilig.

00:52:35: Könnte man aber mal ausprobieren, wie du dich dabei fühlst.

00:52:39: Mhm.

00:52:41: Also, spazierend

00:52:41: find ich toll.

00:52:42: Wenn du Tempo rausnehmen musst.

00:52:45: Wer kommt dir mit Wanderschuhen zum Date?

00:52:48: Ich hatte auch mal einen, der ist mit einem Neon-Grün-Heilztuch zum Date gekommen.

00:52:54: Da hab ich mich auch gefragt, warum man das macht.

00:52:57: Vielleicht fand das schön.

00:52:59: Ja.

00:53:01: Das kann natürlich sein.

00:53:03: Oder frag doch direkt, warum trägst du ein Neon-Grün-Heilztuch?

00:53:08: Ja,

00:53:09: vielleicht ist eine besondere Geschichte dahinter.

00:53:11: Man muss sich schon ein bisschen für die Leute interessieren.

00:53:14: Mhm.

00:53:16: Ja, das fällt mir manchmal schwer, mich wirklich viele Personen zu interessieren.

00:53:19: Manchmal sind das dann einfach keine Sachen, die mich wirklich interessieren, die die Person erzählt.

00:53:25: Dann schalte ich leider sehr schnell ab.

00:53:26: Aber es muss doch nicht dich interessieren.

00:53:28: Du musst doch fasziniert sein, was der Mensch alles mit seinem Leben

00:53:32: macht.

00:53:33: Ja.

00:53:36: Es ist nur schwierig, wenn ich es einfach nicht interessiere.

00:53:40: Also klar, ich weiß, was du meinst, aber bei mir geht das ganz schnell, dass ich dann einfach meinen Kopf ausschalte und dann einfach sozusagen so ... Zuhöre, aber nicht so richtig zuhöre.

00:53:51: Auch das kannst du üben.

00:53:53: Weil die interessantesten Leute sind häufig die, die wir am Anfang völlig falsch einschätzen.

00:54:01: Weil es mal was anderes ist.

00:54:06: Ich bin gespannt, wie es bei dir weitergeht.

00:54:08: Halt mich mal auf dem Laufenden, bitte.

00:54:10: Ja, das mache ich.

00:54:11: Danke schön.

00:54:12: Danke, dass du gekommen bist.

00:54:14: Vielen Dank, dass ich hier sein durfte.

00:54:15: Wir warten jetzt weiter auf den Schnee, ob er jetzt kommt oder nicht.

00:54:18: Der große Sturm.

00:54:21: Das war Paula lieben lernen.

00:54:22: Wenn dir auch mal dabei sein wollt, dann schreibt mir am besten auf Instagram.

00:54:25: The Real Paula Lambert bin ich da.

00:54:27: Und übrigens bin ich auf Tour.

00:54:29: Tickets gibt's überall da, wo es Tickets gibt.

00:54:31: Zum Beispiel bei Ticketmaster.

00:54:33: Viel Spaß.

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